Konrad Adenauer wird 150 – doch Köln hat das Jubiläum seines berühmtesten Sohns fast verschlafen. Was schiefgelaufen ist und was wir von ihm lernen könnten.
Stell dir vor, einer der wichtigsten Politiker der deutschen Geschichte wird 150 – und kaum jemand bemerkt es. Genau das ist 2026 passiert. Konrad Adenauer, am 5. Januar 1876 in Köln geboren, Gründungskanzler der Bundesrepublik und langjähriger Kölner Oberbürgermeister, feierte sein 150. Jubiläum – und das Echo in der Öffentlichkeit? Eher ein leises Räuspern als ein lauter Applaus.1
Besonders symbolisch ist eine kleine, aber bezeichnende Lücke: Der Programmbeirat des Bundesfinanzministeriums hat 2026 zwar eine Sonderbriefmarke für Königin Luise rausgegeben – aber für Adenauer? Fehlanzeige. Dabei hätte es zum 100. Geburtstag vor 50 Jahren noch eine wissenschaftliche Festschrift der Stadt Köln gegeben. Heute: nichts dergleichen.1
Ulrich Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs in Köln, bringt es auf den Punkt: „Zum 150. Geburtstag hätte man durchaus ein bisschen mehr machen können.“1
Ganz untätig war die Region dann aber doch nicht. Hier ein Überblick, was im Adenauer-Jahr so los war:1
Professor Friedrich Kießling, der selbst an rund 30 Adenauer-Veranstaltungen bundesweit teilgenommen hat, zieht ein ernüchterndes Fazit: „Es hat nicht so richtig gezündet.“ Das Jubiläum sei „eher pflichtschuldig wahrgenommen“ worden – wenn überhaupt.1
Besonders auffällig: Das regionale Gefälle ist enorm. Im Rheinland und in NRW sei das Interesse noch am größten gewesen, so Kießling. Bei Veranstaltungen in Ostdeutschland, außerhalb von Berlin, „kam da kaum jemand“.1
Dabei wäre gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, sich mit dem Mann und seinem Politikstil zu beschäftigen. Kießling schwärmt von Adenauers klarer, konzeptioneller Herangehensweise: „Er verfolgte hartnäckig Projekte“ – auch wenn das Ergebnis nicht sicher war. „Diesen klaren Politikstil würde ich in den Mittelpunkt der Erinnerung rücken. Davon können wir was lernen.“1
Soénius ergänzt aus kommunalpolitischer Sicht: Was Köln heute fehle, sei genau jene Konzeption, die Adenauer als OB hatte – nämlich die Stadt zur Wirtschaftsmetropole zu machen. Und das Führen mit wechselnden Mehrheiten? „Adenauer hat es bis zur Eleganz entwickelt.“1
Vielleicht ist das letzte Wort zum Adenauer-Jahr noch nicht gesprochen. Die Veranstaltungen im Herbst – in Köln am 13. Oktober und die Festakademie des Landschaftsverbands Rheinland in Bonn im November – könnten noch einmal frischen Wind in die Debatte bringen. Und wer weiß: Vielleicht zündet es ja doch noch ein bisschen.1
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