Circus Roncalli hat am Kölner Dom seine neue Elektrolok „Zippo“ getauft und startet damit eine zweijährige Jubiläumstournee durch Europa.
Stell dir vor: Direkt vor den Türmen des Kölner Doms, auf Gleis 1 des Kölner Hauptbahnhofs, wird eine Elektrolokomotive auf den Namen „Zippo“ getauft. Genau das ist am 6. August 2026 um 12.03 Uhr passiert – und es war alles andere als ein gewöhnlicher Mittwoch. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Roncalli-Gründer Bernhard Paul nahmen die Taufe gemeinsam vor. Die Lok trägt das Konterfei der Clownfigur Zippo, mit der Paul über Jahrzehnte in der Manege für Furore sorgte.1
Das aufwendig gestaltete Fahrzeug ist ein Geschenk des Logistikunternehmens RailBavaria zum Jubiläum des Circus. Die Elektrolokomotive 185 537 „Zippo“ soll künftig, wo möglich mit Ökostrom betrieben, die komplette Circusstadt von Roncalli durch Europa ziehen.1 Damit zeigt Roncalli: Tradition und klimafreundliche Mobilität schließen sich nicht aus – sie können richtig gut zusammenpassen.
Die technischen Daten der Lok können sich übrigens sehen lassen: Hersteller Bombardier, Baujahr 2004, Dauerleistung 5.600 kW (rund 7.614 PS), Höchstgeschwindigkeit 140 km/h, Anfahrzugkraft 300 kN und ein Dienstgewicht von 84 Tonnen.1 Kurz gesagt: ordentlich Power unterm Clownshut.
Während längst die meisten reisenden Circusunternehmen ihre Zelte per Lastwagen transportieren, hält Roncalli an einer echten Besonderheit fest: Der Circus reist nach wie vor mit einem eigenen Sonderzug von Stadt zu Stadt – als vermutlich letztes Unternehmen dieser Art weltweit.1 Bis weit ins 20. Jahrhundert war das Reisen mit der Eisenbahn unter großen Circusunternehmen üblich, verschwand dann aber mit dem Ausbau des Straßennetzes fast vollständig. Bei Roncalli blieb die Bahn – nicht aus reiner Nostalgie, sondern als fester Bestandteil der Firmenphilosophie.
Der Sonderzug ist dabei ein echtes Spektakel für sich: Bis zu 1.100 Meter lang ist er und transportiert rund 1.800 Tonnen Ladung. An Bord findet sich alles, was die gut hundert Artistinnen, Artisten und Mitarbeitenden für Vorstellungen und Alltag brauchen – vom himmelblauen Chapiteau über Requisiten und Technik bis zur Clownsgarderobe und dem Café des Artistes.1 Die rund 80 historischen Circuswagen aus der Sammlung von Bernhard Paul wurden in eigenen Werkstätten aufwendig restauriert und dienen bis heute als Wohn-, Arbeits- und Materialwagen.
Vor genau fünfzig Jahren begann in Nordrhein-Westfalen die Geschichte von Roncalli. Der gebürtige Österreicher Bernhard Paul setzte seinen Traum vom „schönsten Circus der Welt“ gegen zahlreiche Widerstände durch.1 Schon 1986 reiste der Circus als erster deutscher Circus und Kulturbotschafter des Landes NRW mit dem Zug zu einem Gastspiel nach Moskau – ein echter Meilenstein.
Ministerin Neubaur würdigte bei der Taufe die Lebensleistung des Circus-Gründers und betonte, wie sehr sein Werk Menschen bis heute begeistere. Und als wäre das nicht schon genug, ging an diesem Tag auch noch ein persönlicher Wunsch von Bernhard Paul in Erfüllung: Der Modellbauhersteller Märklin überreichte ihm das erste Handmuster der „Zippo“-Lok im Miniaturformat.1
Zur Jungfernfahrt waren zahlreiche Ehrengäste geladen, die im historischen Panoramawagen des Freundeskreises Eisenbahn Köln e. V. mitfahren konnten. Nach einer Ehrenrunde um den Kölner Dom machte sich der Sonderzug auf den Weg gen Süden.1 Damit beginnt für den Kulturbotschafter des Landes NRW eine zweijährige Jubiläumstournee, die zunächst nach Ludwigsburg, Wien, Innsbruck und Linz führt.
50 Jahre Roncalli, eine nagelneue Elektrolok und eine Tournee quer durch Europa – das klingt nach einer Show, die ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen solltet. Wir bei Antenne NRW sind stolz auf diesen echten NRW-Kulturbotschafter!
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