Köln halbiert die Zahl der E-Scooter auf maximal 10.000 und lässt künftig nur noch drei Anbieter zu. Was sich in NRW beim Scooter-Chaos gerade alles ändert.
Wer schon mal versucht hat, mit Kinderwagen oder Rollstuhl durch die Kölner Innenstadt zu navigieren, kennt das Gefühl: Da steht wieder ein Haufen E-Scooter quer, genau da, wo man durchmuss. Vor dem Kölner Hauptbahnhof ist das Bild besonders krass – dutzende Roller verschiedenster Anbieter blockieren den Platz, weit über die offiziellen Abstellflächen hinaus. Doch Köln hat jetzt genug davon und dreht richtig auf.1
Seit Anfang Juli sind Mitarbeiter der E-Scooter-Anbieter zu Fuß in der Stadt unterwegs – auf sogenannten Fußpatrouillen. Einer von ihnen ist Tobias Tetzlaff, der für den Anbieter „Dott“ arbeitet. Er schlängelt sich durch die Rollermassen, bringt sie zurück in die Abstellzonen und reiht sie ordentlich nebeneinander auf. Klingt simpel, ist aber ein echter Job.1
Dabei prüft der gelernte Mechaniker auch gleich den Zustand der Scooter: Funktionieren Blinker, Licht und Bremse? Ist das Kennzeichen noch dran? Falls nicht, zieht Tetzlaff einfach Ersatz aus dem Rucksack, klebt ein neues Schild drauf und registriert den Roller neu über sein Handy. Scooter, die nicht mehr fahrtüchtig sind, meldet er per App – dann holen Kollegen das Fahrzeug ab, es geht in die Werkstatt und kommt repariert zurück auf die Straße.1
Alle sechs E-Scooter-Anbieter in Köln haben solche Patrouillen im Einsatz, hauptsächlich tagsüber unter der Woche. Zusätzlich gibt es eine gemeinsame Patrouille für alle Anbieter. Das kostet die Verleiher übrigens einiges: Ride Movi zum Beispiel zahlt laut eigenen Angaben rund 8.300 Euro pro Monat dafür.1
Das eigentliche Highlight kommt aber erst nächstes Jahr. Die Stadt Köln will die Zahl der E-Scooter halbieren – auf maximal 10.000. Und statt aktuell sechs Anbietern sollen nur noch drei eine Genehmigung bekommen. Gerade läuft das Auswahlverfahren. Christian Leitow vom Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung der Stadt erklärt, was die Anbieter dabei nachweisen müssen: wie sie die Anforderungen erfüllen wollen und mit welchem Personaleinsatz, welcher Zeit und welcher Erreichbarkeit das funktionieren soll.1
Leitow hofft außerdem, dass sich die Scooter künftig besser über die ganze Stadt verteilen – weg vom Innenstadtgedränge, hin in die Außenbezirke. Die Anbieter sollen dann verpflichtet werden, die gesamte Stadt abzudecken. Kontrolliert wird das Ganze über monatliche Datenmeldungen der Verleiher sowie digitale Standort- und Zahlenprüfungen durch die Stadt.1
Köln ist dabei nicht allein. Auch Düsseldorf will weniger Scooter auf den Straßen: Derzeit gibt es dort 8.400, nach einem laufenden Vergabeverfahren sollen es rund 500 weniger werden – und ebenfalls nur noch drei Anbieter statt aktuell vier. Beschwerden über falsch geparkte Roller gibt es auch dort, wobei der Ausbau von Abstellstationen das Problem schon deutlich abgeschwächt hat.1
Münster setzt auf Parkzonen und weitet dieses Konzept schrittweise auf weitere Stadtbereiche aus. Aachen plant mehr Abstellflächen, mit dem Ziel, so viele Barrieren wie möglich zu beseitigen – zum Beispiel für Menschen mit Behinderungen, die über im Weg stehende Scooter stolpern.1
Tobias Tetzlaff hat nach seinen Touren durch die Kölner Innenstadt übrigens noch einen konkreten Wunsch: Die Abstellzonen sollten viel deutlicher markiert sein – zum Beispiel durch Linien auf dem Boden oder Zeichen im Straßenbelag. In der App gibt es zwar ein Park-Symbol, aber wo genau und wie die Leute abstellen dürfen, sei laut Tetzlaff aktuell einfach nicht gut genug erkennbar. Und solange das so bleibt, hat er weiter alle Hände voll zu tun.1
Klar ist: Das E-Scooter-Thema bewegt NRW gerade richtig. Ob Köln, Düsseldorf, Münster oder Aachen – die Städte nehmen das Chaos in die Hand. Wie sich das auf den Alltag in eurer Stadt auswirkt, bleibt spannend. Wir halten euch auf dem Laufenden – hier bei Antenne NRW auf antenne.nrw.
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