Die Gustav-Nachtigal-Straße in Köln-Nippes wird am 25. September zur Manga-Bell-Straße. Alles zur Umbenennung und zum neuen Denkmal im Afrikaveedel.
Im Kölner Afrikaveedel passiert gerade etwas Historisches: Die Gustav-Nachtigal-Straße in Nippes bekommt einen neuen Namen – und damit einen neuen Blick auf die Vergangenheit. Ab dem 25. September heißt die Straße offiziell Manga-Bell-Straße. Ein Moment, auf den viele lange gewartet haben.1
Das Afrikaveedel ist für viele Kölner:innen kein gewöhnliches Viertel. Die Historikerin Marianne Bechhaus-Gerst brachte es bei einem Infoabend im „Hahnheiser“ auf den Punkt: „Für mich ist das Afrikaveedel einer der wichtigsten Erinnerungsorte in Köln, weil hier zwei Zeitebenen übereingreifen: die Kolonial- und die NS-Zeit.“ Die 1935 vergebenen Straßennamen sollten damals ganz bewusst den Wunsch befeuern, die ehemaligen deutschen Kolonien zurückzugewinnen.1
Gustav Nachtigal, der bisherige Namenspate der Straße, war früherer Reichskommissar für Westafrika, Afrika-Reisender und Buchautor. Doch der historische Blick auf ihn hat sich gewandelt. Laut Bechhaus-Gerst fuhr er „im Kanonenboot, mit Geiseln an Bord, um den Abschluss für die Einheimischen unvorteilhafter Verträge zu erzwingen.“ Kein Ruhmesblatt – und kein Name, der auf einem Straßenschild stehen sollte.1
Der neue Namenspate Rudolf Duala Manga Bell steht für etwas völlig anderes: Widerstand mit friedlichen Mitteln. Er kämpfte gegen die Zwangsumsiedlung seines Volkes, das für eine Küstenstadt der Kolonialisten weichen sollte. Bereits 1905 schickte er eine Petition an den Reichstag, um gegen koloniale Willkür und Brutalität zu protestieren. 1914 wurde er hingerichtet. Auch seine Frau Emily wird auf einer geplanten Zusatztafel zum neuen Straßenschild gewürdigt.1
Am 25. September wird das alte Straßenschild mit orangenem Signalband überklebt – gleichzeitig wird das Klebeband auf dem bereits seit einem Jahr montierten neuen Schild „Manga-Bell-Straße“ entfernt. Der Name ist dann offiziell sichtbar. Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende erzählt:1
Übrigens: Die Umbenennung im Afrikaveedel hat eine Vorgeschichte. Bereits 1991 wurden die Carl-Peters-Straße und die Lüderitzstraße in Namibia- und Usambarastraße umbenannt – auch sie waren nach Kolonial-Akteuren benannt gewesen.1
Dass es jetzt so weit ist, hat viel Vorlauf gebraucht: Eine Absichtserklärung des grün-geführten Bezirksbündnisses ab 2020, ein Gutachten von Bechhaus-Gerst für den Historischen Beirat der Stadt von 2023, zwei Öffentlichkeitsbeteiligungen sowie der Umbenennungs- und der Namenspaten-Beschluss der BV Nippes – all das war nötig, um diesen Schritt möglich zu machen.1
Die Nippeser Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert, die auch Mitglied im frisch eingetragenen Verein „Denkort Afrikaviertel“ ist, bringt das Ziel dahinter klar auf den Punkt: „Wir wollen die Kolonialgeschichte nicht tilgen, sondern das genaue Gegenteil.“ Und Historikerin Bechhaus-Gerst ergänzt: „Das Denkmal ist für mich die Verwirklichung eines Traums.“1
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