Riesige Pumpen schützen das Ruhrgebiet vor dem Absaufen – das Grubenwasser-Erbe des Bergbaus und sein überraschendes Energie-Potenzial im Überblick.
Stell dir vor, das Ruhrgebiet wäre eine riesige Seenlandschaft. Klingt erstmal entspannt, oder? Ist aber alles andere als das – und genau deshalb laufen im Untergrund des Reviers riesige Pumpen, die das buchstäblich verhindern. Das Thema Grubenwasser ist das Erbe des Steinkohlebergbaus und beschäftigt die RAG noch auf unabsehbare Zeit. Was dahintersteckt, ist ziemlich beeindruckend.1
In der neuen zentralen Pumpenhalle und Werkstatt der RAG in Herne hängen Pumpen in Reih und Glied an Stahlhalterungen – jede davon größer als ein Torpedo und rund 20 Tonnen schwer. Stefan Roßbach, der dort den technischen Bereich der Wasserhaltung leitet, bringt es auf den Punkt: „Das ist wie Gardena, nur in groß.“1
Die neue Halle steht auf dem Standort Pluto, direkt neben einem riesigen dunkelroten Schachtgerüst. Hier trifft Vergangenheit auf Zukunft – die Außenwände sind komplett mit Photovoltaik-Modulen in grau-schwarzer Kohle-Optik belegt. Insgesamt hat das Projekt 10 Millionen Euro gekostet. Von der modernen Leitwarte aus überwachen Techniker rund um die Uhr alle relevanten Standorte im Ruhrgebiet, an der Saar und in Ibbenbüren.1
Der Grund für den ganzen Aufwand? Der Kohlebergbau hat mancherorts die Tagesoberfläche um bis zu 20 Meter absinken lassen. In diesen Senken und Mulden sammelt sich Regenwasser. Würde es nicht abgepumpt, wäre das Ruhrgebiet längst eine komplette Seenlandschaft.1
Dazu kommt die Herausforderung unter Tage: In den ehemaligen Stollen und Schächten steigt langsam das Grundwasser. Es enthält teilweise Schadstoffe, die sich nicht mit dem darüber liegenden Grundwasser vermischen dürfen. An rund sechs Standorten im Revier wird das Grubenwasser deshalb nach oben gepumpt, teilweise gereinigt und schließlich in den Rhein geleitet – ein Job, der nach aktuellem Stand für immer anfällt.1
Aber Grubenwasser ist nicht nur Problem, sondern auch Chance! Am Standort Robert Müser, einer alten Großzeche in Bochum, kommt das Wasser mit rund 28 Grad Celsius an die Oberfläche. Diese Wärme wird genutzt, um eine benachbarte Schule und eine Feuerwache zu versorgen. Durch Großwärmepumpen ist sogar eine Kühlung von Gebäuden möglich – vorausgesetzt, die Nutzer sitzen in unmittelbarer Nähe, denn längere Transportwege funktionieren dabei nicht.1
„Bei der Feuerwache läuft das gut“, sagt Stefan Roßbach. Ein kleines, aber feines Beispiel dafür, wie das Erbe des Bergbaus sinnvoll genutzt werden kann.1
Das Grubenwasser von Robert Müser fließt keine drei Kilometer entfernt in die Harpener Teiche – wegen ihrer auffällig türkisfarbenen Färbung im Volksmund auch „Blaue Lagune“ genannt. Die Idylle täuscht aber: An bestimmten Standorten enthält das Grubenwasser auch Salze oder gefährliche Schadstoffe wie PCB. Darüber wird zwischen der RAG und Kritikern seit Jahren diskutiert.1
Aktuell entsteht am Standort Haus Aden zwischen Lünen und Bergkamen eine große Aufbereitungsanlage, die künftig zum Beispiel Eisen aus dem Grubenwasser entfernen soll. Die Nilgänse an den Harpener Teichen interessiert das wenig – die genießen einfach ihre warmen Füße.1
Das Grubenwasser im Ruhrgebiet ist eines der komplexesten Vermächtnisse des deutschen Steinkohlebergbaus. Die RAG pumpt, überwacht und reinigt – und das wird sie wohl noch sehr, sehr lange tun. Gleichzeitig zeigt das Beispiel Robert Müser, dass in dieser ewigen Aufgabe auch echtes Energie-Potenzial steckt. Wer hätte gedacht, dass das Wasser aus alten Zechen mal eine Feuerwache wärmt? Das Revier erfindet sich eben immer wieder neu.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!