Razzia wegen der verbotenen „Artgemeinschaft“: Ermittler durchsuchten Wohnungen in NRW und weiteren Bundesländern.
Krasser Einsatz in mehreren Bundesländern: Ermittler haben Wohnungen durchsucht, die im Zusammenhang mit der verbotenen rechtsextremen Organisation „Artgemeinschaft“ stehen sollen – und auch NRW war dabei. Die federführende Staatsanwaltschaft Halle an der Saale bestätigte, dass es eine Wohnung in Lippstadt traf. Medienberichten zufolge soll es außerdem Durchsuchungen in Steinheim sowie in Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe gegeben haben – eine offizielle Bestätigung dafür steht aber noch aus.1
Neben NRW waren auch Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Niedersachsen von den Einsätzen betroffen. Sichergestellt wurden Beweismittel wie Unterlagen und Datenträger. Festnahmen gab es laut Staatsanwaltschaft keine, und die Einsätze verliefen ohne besondere Vorkommnisse.1
Der Ausgangspunkt der ganzen Sache? Ostwestfalen-Lippe. Wie die Staatsanwaltschaft Detmold gegenüber der dpa erklärte, laufen Ermittlungen gegen ein Ehepaar in Horn-Bad Meinberg sowie einen weiteren Beschuldigten in Steinheim. Der Vorwurf: Sie sollen die verbotene Organisation fortgeführt haben.1
Das Polizeipräsidium Bielefeld stellte fest, dass sich die drei Beschuldigten an einer Sonnenwendefeier im Juni in Gardelegen in Sachsen-Anhalt beteiligen wollten. Daraufhin wurde die Polizei in Sachsen-Anhalt eingeschaltet – und auch dort kam es zu Durchsuchungen. Insgesamt richtet sich das Verfahren gegen 15 Beschuldigte, denen vorgeworfen wird, die „Artgemeinschaft“ zu unterstützen.1
Der vollständige Name des Vereins lautet: „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“. Klingt erstmal sperrig, dahinter steckt aber eine sektenartige, rassistische und antisemitische Vereinigung, die das Bundesinnenministerium 2023 verboten hat. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dieses Verbot.1
Zuletzt hatte die Gruppe schätzungsweise rund 150 Mitglieder. Laut Bundeszentrale für politische Bildung war sie bundesweit mit vielen rechtsextremen und neurechten Gruppierungen vernetzt und pflegte gute Kontakte zur gewaltbereiten Neonazi-Szene. Die Gruppe veranstaltete im geschlossenen Rahmen germanisch-heidnische Feste und sogenannte Gemeinschaftstage mit bis zu 250 Teilnehmern.1
Die Ideologie der „Artgemeinschaft“ ist eindeutig: Rassismus und Germanenkult wurden zur Religion erhoben. Das „Sittengesetz“ der Organisation forderte laut Quellen „Wachsamkeit und Vorsicht gegenüber Fremden“ sowie „Härte und Hass gegen Feinde“ – Worte, die für sich sprechen.1
Gegründet wurde der Verein bereits 1951 von Alt-Nazi Wilhelm Kusserow, der schon in den 1920er-Jahren das sogenannte deutschgläubige neugermanische Heidentum propagierte. Als Gruppensymbol nutzte die „Artgemeinschaft“ die sogenannte „Irminsul“ – auch Weltenbaum genannt – ein Symbol, das im Nationalsozialismus von Ahnenforschern der SS verwendet wurde.1
Bei Mitgliedern wurden neben historischen Gegenständen aus der NS-Zeit auch groß dimensionierte Hakenkreuzfahnen und Alltagsgegenstände mit Hakenkreuzen sichergestellt. Laut Bundesverwaltungsgericht war zudem eine Person aus dem Umkreis des NSU-Komplexes mit der Betreuung der vereinseigenen Cloud betraut.1
Die sichergestellten Beweismittel sollen nun ausgewertet werden. Wie es für die 15 Beschuldigten weitergeht, bleibt abzuwarten. Klar ist: Auch wenn der Verein seit 2023 offiziell verboten ist, laufen die Ermittlungen gegen mutmaßliche Unterstützer auf Hochtouren – und NRW spielt dabei eine zentrale Rolle. Antenne NRW hält euch auf dem Laufenden, sobald es neue Entwicklungen gibt.1
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