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Rheinisches Revier: Von der Kohlegrube zum Energie-Hotspot
20. Oktober 2026

Vom Braunkohlerevier zur Energiezentrale: Wie RWE, LEAG und MIBRAG Tagebauflächen in NRW und anderen Regionen zu Wind-, Solar- und Speicherstandorten machen.

Wenn aus Kohlegruben Energieparks werden

Noch vor ein paar Jahren haben in NRW die Bagger gerattert und Braunkohle gefördert. Jetzt passiert auf genau diesen Flächen etwas richtig Spannendes: Aus den alten Tagebau-Gebieten werden regelrechte Energiezentren. Wie das Portal Solarbranche.de berichtet, hat RWE am Tagebau Garzweiler seinen Solarpark erweitert und gleichzeitig einen neuen Windpark bei Düren-Merken an den Start gebracht. Klingt erstmal nach trockenem Energie-Fachkram, ist aber in Wahrheit ein echter Strukturwandel vor unserer Haustür.

Riesige Solarflächen auf altem Kohle-Gebiet

Der Solarpark entlang der A44n zwischen Bedburg und Jüchen ist schon ziemlich beeindruckend: Nach nur sechs Monaten Bauzeit sind dort 30.600 neue Solarmodule mit 19,2 Megawattpeak Leistung entstanden. Zusammen mit dem ersten Bauabschnitt kommt die Anlage jetzt auf 105,7 Megawattpeak. Laut RWE reicht das rechnerisch, um rund 34.000 Haushalte mit Strom zu versorgen – das ist schon eine kleine Großstadt.

Und auch beim Wind tut sich was: Am Tagebau Inden stehen jetzt zwei neue Windturbinen mit zusammen rund 14 Megawatt Leistung. Bei Garzweiler wird außerdem der Windpark Bedburg 3 mit etwa 60 Megawatt gebaut. Insgesamt betreibt RWE im Rheinischen Revier damit schon Wind- und Solarprojekte mit rund 600 Megawatt Gesamtleistung. Das Revier verwandelt sich also wirklich Stück für Stück in eine Hightech-Energielandschaft.

Batteriespeicher sollen den Strom cachen

Damit der ganze Sonnen- und Windstrom nicht einfach verpufft, wenn gerade keiner ihn braucht, baut RWE am Solarpark Garzweiler zusätzlich einen Batteriespeicher mit 75 Megawatt Leistung und etwa 150 Megawattstunden Kapazität. Ans Netz gehen soll der im Frühjahr 2027. Bei voller Leistung könnte der Speicher rechnerisch zwei Stunden lang Strom liefern.

Noch größer wird’s am Tagebau Hambach: Dort entsteht gerade ein Großspeicher mit 236 Megawatt Leistung und 470 Megawattstunden Kapazität, der ebenfalls 2027 starten soll. Solche Speicher nutzen praktischerweise den bereits vorhandenen Netzanschluss mit, den die Solar- und Windparks sowieso schon haben. Weniger neue Leitungen, mehr Effizienz – klingt nach einem guten Deal.

Auch andere Reviere ziehen mit

Das Rheinische Revier ist dabei längst nicht allein unterwegs. In der Lausitz treibt LEAG mit ihrer sogenannten Gigawatt-Factory den Umbau voran – eine Kombination aus Wind, Solar, Batteriespeichern und steuerbaren Kraftwerkskapazitäten. Bis 2030 will der Konzern auf 7 Gigawatt Wind- und Solarleistung kommen. Im September 2026 sind dort bereits der Windpark Forst-Briesnig 2 mit 105 Megawatt und der erste Bauabschnitt des Solarparks Bohrau mit rund 130 Megawattpeak ans Netz gegangen. An den Kraftwerksstandorten Jänschwalde und Boxberg entstehen zudem Batteriespeicher mit zusammen 1.400 Megawatt Leistung und 5.600 Megawattstunden Kapazität.

Auch im Mitteldeutschen Revier geht’s voran: Die MIBRAG baut auf rekultivierten Tagebauflächen die Windparks Breunsdorf mit 93 Megawatt und Profen II mit 62 Megawatt.

Direktleitungen machen Solarprojekte noch lukrativer

Neben dem reinen Ausbau von Wind, Solar und Speichern gibt’s auch auf der rechtlichen Seite spannende Neuerungen, die solche Großprojekte wirtschaftlich noch attraktiver machen. Wie windindustrie-in-deutschland.de berichtet, hat eine Änderung im EEG-Paragrafen 21b Direktleitungen deutlich einfacher gemacht. Bisher mussten Betreiber monatlich im Voraus melden, wie sie ihren Strom zwischen geförderter und sonstiger Direktvermarktung aufteilen – und das praktisch viertelstündlich nachweisen. Ziemlich kompliziert, vor allem weil Sonne und Wind nun mal nicht nach Plan liefern.

Jetzt dürfen Anlagenbetreiber flexibler aufteilen, ohne feste Prozentsätze jederzeit einhalten zu müssen. Das macht es für Solarparks wirtschaftlich attraktiv, überschüssigen Strom direkt an Industriekunden in der Nähe zu verkaufen – statt ihn teuer über das öffentliche Netz zu leiten. An einem Rechenbeispiel mit einem 80-Megawatt-Solarpark zeigt das Fachportal, dass sich der Preis eines Stromliefervertrags dadurch um bis zu 77 Prozent steigern lässt. Zusätzlich lässt sich die frei werdende Netzkapazität für Batteriespeicher nutzen, die über sogenannte Tolling-Verträge langfristig planbare Einnahmen bringen.

Fazit: Strukturwandel mit Strom-Power

Was früher Kohlereviere waren, wird gerade zu einem Flickenteppich aus Solarparks, Windrädern und Batteriespeichern. Ob Rheinland, Lausitz oder Mitteldeutschland – überall nutzen Energiekonzerne die vorhandene Infrastruktur, um aus alten Tagebauflächen neue Energiezentren zu machen. Und dank cleverer rechtlicher Anpassungen wie bei den Direktleitungen wird das Ganze auch wirtschaftlich immer interessanter. Der Strukturwandel in NRW nimmt also ordentlich Fahrt auf.

Quellen


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