Sensoren und KI schützen NRW-Brücken: So lässt sich eine Sperrung frühzeitig verhindern.
Viele Brücken in Nordrhein-Westfalen sind alt und marode. Um teure und chaotische Sperrungen zu verhindern, setzt die Autobahn GmbH nun erstmals auf ein digitales Frühwarnsystem: Sensoren und künstliche Intelligenz sollen Schäden frühzeitig erkennen und Maßnahmen ermöglichen, bevor es zu einer Vollsperrung kommt. Ein Pilotprojekt an der Mintarder Brücke zeigt, wie diese Technologie funktioniert und was sie leisten kann. Stern
Auslöser für die Initiative war die kurzfristige Sperrung der A52-Brücke zwischen Düsseldorf und Essen im Januar – ein Spalt in der Fahrbahndecke legte eine der wichtigsten Verkehrsadern im Ruhrgebiet lahm. Um solche Fälle künftig zu vermeiden, installiert die Autobahn GmbH derzeit rund 150 Sensoren an der 1,8 Kilometer langen Mintarder Brücke bei Mülheim an der Ruhr. Täglich fahren hier mehr als 80.000 Fahrzeuge, entsprechend hoch ist das Risiko von Folgeschäden und wirtschaftlichen Einbußen bei einer Sperrung.
Laut Panagiotis Martakis, dem Entwickler des neuen Systems, liefern die Sensoren bis zu 100.000 Messwerte pro Sekunde. Diese riesigen Datenmengen werden von einer KI in Echtzeit analysiert – jede kleine Veränderung an der Brückensubstanz kann so erfasst werden. Die KI lernt mit der Zeit die Eigenarten jeder Brücke kennen, beispielsweise, ob eine Materialausdehnung wetterbedingt ist oder auf einen Riss hindeutet.
Über die Hälfte aller Brücken in Nordrhein-Westfalen wurden vor 1985 gebaut, viele noch in den 1960er und 1970er Jahren. Damals rechnete niemand mit den heutigen Verkehrs- und LKW-Belastungen. „Die Brücken in NRW liegen auf der Intensivstation“, warnt Roman Suthold vom ADAC Nordrhein. Jede Verzögerung in der Sanierung erhöht die Gefahr zusätzlicher Schäden, mit massiven Folgen für Verkehr, Anwohner und die Wirtschaft.
Das KI-gestützte Brückenmonitoring sorgt für einen Paradigmenwechsel in der Brückenwartung. Die Autobahn GmbH hatte zunächst fünf Jahre Feldtest an elf Brücken im Ruhrgebiet und Bergischen Land geplant, will das System aber aufgrund positiver Ergebnisse schneller ausrollen. Von dem Ansatz könnten künftig auch viele andere Brücken profitieren, nicht nur Autobahnbrücken. Wichtig ist laut ADAC-Experte Suthold, dass auch Kommunen diese Technik breit einsetzen, denn auch viele kommunale Brücken sind sanierungsbedürftig.
Die Kosten für das Sensorsystem liegen pro Brücke bei einigen zehntausend Euro – vergleichsweise wenig angesichts der wirtschaftlichen Schäden von mehrjährigen Sperrungen. Während einer vierjährigen Sperrung der Rahmedetal-Brücke auf der A45 etwa entstand ein Schaden von rund 1,5 Milliarden Euro für die regionale Wirtschaft. Die kontinuierliche Überwachung bringt allen Beteiligten Vorteile: Probleme werden früh erkannt, gezielte Instandsetzungen werden möglich, und teure Vollsperrungen können häufiger verhindert werden.
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