Beim WDR Lokalzeit Stadtgespräch in Münster diskutierten Wüst, Dorndorf und Vernau, wie wir die Demokratie stärken können.
Ist unsere Demokratie wirklich in Gefahr? Und was können wir selbst dafür tun, sie zu schützen? Genau diese Fragen hat das WDR Lokalzeit Stadtgespräch in Münster aufgeworfen – mit prominenten Gästen, einem großen Publikum und jeder Menge Gesprächsstoff. Mit dabei: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Münsters Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf und WDR-Intendantin Katrin Vernau. Das Ganze wurde live auf WDR 5 übertragen und lieferte echte Denkanstöße. 1
Klingt erstmal widersprüchlich, ist es aber nicht. Moderator Ralph Erdenberger stellte beim Stadtgespräch eine Umfrage von ARD und ZDF vor, nach der nur rund ein Drittel der Befragten derzeit mit der Demokratie zufrieden ist. Gleichzeitig zeigt eine Studie des Soziologen Sebastian Kurtenbach von der Fachhochschule Münster: 90 Prozent der Menschen befürworten die Demokratie als Staatsform. 1
Der Haken? Die Menschen fühlen sich nicht genug einbezogen. Kurtenbach bringt es auf den Punkt:
„Viele Menschen haben in NRW nicht den Eindruck, dass es darauf ankommt, was sie sagen oder dass Wahlen etwas bringen.“ 1
Seine Lösung klingt simpel, ist aber wirkungsvoll: Demokratie am besten vor Ort stärken – in Vereinen, Schulen und Quartierszentren.
Ministerpräsident Hendrik Wüst nahm beim Stadtgespräch kein Blatt vor den Mund. Er kritisierte die wachsende Intoleranz in der Gesellschaft und appellierte: „Man sollte andere Meinungen wieder mehr aushalten.“ Außerdem forderte er von der Politik, weniger zu versprechen und dafür mehr zu halten. Ein Satz, den sicher viele so unterschreiben würden. 1
Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf sieht die Integration von Geflüchteten als eines der größten gesellschaftlichen Spaltungsthemen. Ihr Ansatz: Beamte in Uniform gehen aktiv in Zentrale Unterbringungseinrichtungen für Geflüchtete und in sogenannte „Problemviertel“. Dort sprechen sie über Demokratie, machen Busfahrtrainings mit Geflüchteten und bauen Vertrauen auf. Ihr Fazit zum Zustand der Demokratie fiel dabei überraschend positiv aus: 1
„Die Demokratie wird viel schlechter geredet, als sie ist.“
Beim Stadtgespräch kamen auch ganz normale Menschen zu Wort – und die hatten einiges zu sagen. Sofie Pacla etwa beobachtet, dass rechte Positionen in der Gesellschaft immer sichtbarer werden und macht sich darüber Sorgen. Horst und Lore Meiners brachten es auf eine klare Formel: „Wir müssen an einigen Stellschrauben drehen, damit Demokratie nicht so anfällig ist.“ 1
Eine andere Zuhörerin erntete hingegen großen Applaus mit einer einfachen Beobachtung: „Wir haben so viele Rechte, wir wissen gar nicht, wie gut es uns geht.“ 1
WDR-Intendantin Katrin Vernau betonte die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Durch verlässliche Informationen und Fakten sollen Menschen in die Lage versetzt werden, sich selbst eine Meinung zu bilden – ein wichtiger Beitrag zum Demokratieerhalt. Udo Schlüter vom Bündnis „Gemeinsam.Demokratie.Leben“ in Coesfeld setzt dagegen auf eine bewährte Methode: Demonstrationen. Für ihn sind sie ein geeignetes Mittel, um Demokratie sichtbar zu machen und auf Missstände aufmerksam zu machen. 1
Das Stadtgespräch in Münster hat gezeigt: Die Demokratie ist nicht verloren – aber sie braucht aktive Menschen, die sich einbringen. Ob im Verein, bei einer Demo, im Gespräch mit Nachbarn oder einfach durch informiertes Wählen. Das Schöne daran? Jede:r kann seinen Teil dazu beitragen, das gesellschaftliche „Wir“ zu stärken. Und genau das ist es, was Demokratie am Ende ausmacht. 1
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