Wie fühlt sich das Leben in Kalk, Chorweiler, Mülheim und Meschenich wirklich an? Kölnerinnen und Kölner berichten offen über Armut, Drogenhandel und fehlende…
Köln ist eine Stadt der Gegensätze. Während manche Viertel mit hippen Cafés und steigenden Mieten glänzen, kämpfen andere mit Armut, Wohnungsnot und dem Gefühl, von der Stadt vergessen worden zu sein. Sieben Kölnerinnen und Kölner haben jetzt offen darüber gesprochen, wie sich das Leben in Kalk, Chorweiler, Mülheim und Meschenich wirklich anfühlt – zwischen Müll vor der Haustür, tiefen Vorurteilen und dem Stolz, trotzdem ihren Weg zu machen.1
Naomy Toure ist 32 Jahre alt, als Erzieherin in leitender Position tätig und kennt Köln aus verschiedenen Perspektiven. Sie ist in Holweide aufgewachsen, hat in Nippes und Mülheim gewohnt und lebt seit gut drei Jahren wieder in Kalk – genauer gesagt an der Kalker Hauptstraße, Ecke Kalk-Mülheimer Straße, mitten in dem Bereich, über den in der Stadt so viel geredet wird.1
Ihr Alltag klingt dabei alles andere als entspannt: „Wenn ich das Wohnhaus verlasse, trete ich in Müll. Kürzlich wurde ich fast angepinkelt, weil sich jemand an unserer Haustür erleichtert hat.“ Von einem ihrer beiden Balkone kann sie den Drogenhandel beobachten, vom anderen die regelmäßigen Polizeieinsätze. Trotz Videoüberwachung der Kalker Hauptstraße und der Kalk-Mülheimer Straße floriert der Handel ungebremst weiter. „Da kann man die Kameras auch ausschalten“, sagt sie ernüchtert.1
Naomy Toure beschreibt die Lage in Kalk als angespannt. Solange man nichts mit dem kriminellen Milieu zu tun hat, hat man nach ihrer Einschätzung in der Regel seine Ruhe – abgesehen von lauten Konflikten oder desorientierten Menschen, die einem vor das Auto oder Fahrrad laufen. Prostitution hat sie ebenfalls schon mehrfach beobachtet.1
Was sie aber auch klar benennt: Die Probleme haben strukturelle Ursachen. „Vielen Menschen in Kalk fehlt es an Perspektiven. Die Armut nimmt zu, Wohnungsnot betrifft viele, die Ärmsten leiden am meisten.“ Es geht ihr nicht darum, ihr Viertel schlechtzureden – sondern darum, ehrlich hinzuschauen, was dort passiert und was die Stadt bisher nicht löst.1
Das Gefühl, das viele Bewohnerinnen und Bewohner dieser Stadtteile teilen, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Ihr Veedel muss Probleme auffangen, die die Stadt nicht lösen möchte. Soziale Ungleichheit, fehlende Infrastruktur, mangelnde Unterstützung – das alles landet am Ende in den ohnehin schon belasteten Vierteln.1
Und trotzdem: Wer mit den Menschen dort spricht, hört nicht nur Frust. Da ist auch echter Stolz – auf den Zusammenhalt, auf das, was man trotz aller Widrigkeiten geschafft hat, und auf die Identität dieser Veedel, die trotz allem lebendig und vielfältig sind.1
Die Berichte aus Kalk, Chorweiler, Mülheim und Meschenich sind ein Weckruf. Nicht für Schlagzeilen, sondern für echte Lösungen. Wer in diesen Vierteln lebt, verdient genauso viel Aufmerksamkeit, Sicherheit und Perspektive wie alle anderen Kölnerinnen und Kölner. Es wird Zeit, dass die Stadt das auch so sieht.1
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