Diesel auf Rekordhoch: Der ADAC fordert eine Stromsteuer-Senkung, Verbände schreiben direkt an Merz. Was das für Verbraucher und Betriebe in NRW bedeutet.
Die Lage an der Zapfsäule spitzt sich weiter zu – und der Druck auf die Politik wächst. Der Dieselpreis hat ein neues Allzeithoch erreicht, und damit verschärft sich eine Debatte, die eigentlich schon längst hätte gelöst sein sollen. Zwei Entwicklungen machen den aktuellen Stand besonders brisant: Der ADAC koppelt die Preiskrise jetzt direkt an eine Forderung zur Stromsteuer – und Fachverbände aus dem Transportbereich richten einen Offenen Brief direkt an Bundeskanzler Friedrich Merz.
Neue Höchststände bei den Kraftstoffpreisen erhöhen laut Berichterstattung von IT Boltwise den Handlungsdruck auf die Bundesregierung erheblich. Der ADAC nutzt den Moment, um eine deutliche Senkung der Stromsteuer zu fordern – mit dem Ziel, Haushalte zu entlasten und gleichzeitig die Hürde für den Umstieg auf Elektroautos zu senken. Die Argumentation des Automobilclubs dreht sich dabei nicht nur um den Preis an der Tanke, sondern um die Gesamtkosten beim Laden zu Hause.
Konkret setzt die Forderung am Stromsteuergesetz an: Der aktuelle Regelsatz für private Verbraucher liegt laut IT Boltwise bei 20,50 Euro pro Megawattstunde – umgerechnet 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Der EU-Mindestsatz für nicht-gewerbliche Verbräuche beträgt dagegen nur 1 Euro pro Megawattstunde. Das bedeutet: Theoretisch wäre eine Senkung um 1,95 Cent pro Kilowattstunde vor Umsatzsteuer möglich. Bei einem Musterhaushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch käme das einer Ersparnis von rund 81 Euro inklusive Mehrwertsteuer gleich.
So verlockend die Entlastung klingt – der fiskalische Einschnitt wäre erheblich. Nach Angaben von IT Boltwise beziffert das Bundesfinanzministerium die jährlichen Kosten einer Senkung für alle Verbrauchergruppen auf rund 5,4 Milliarden Euro. Die gesamten Einnahmen aus der Stromsteuer lagen 2025 bei 5,9 Milliarden Euro. Bei bestimmten Modellvarianten mit Betriebsentlastungen kommen noch einmal rund 3 Milliarden Euro pro Jahr an Mindereinnahmen hinzu.
Entsprechend unterschiedlich sind die Positionen in der Politik: Laut IT Boltwise lehnt Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) einen Preisdeckel ab, während die SPD-Fraktion einen solchen favorisiert. Die Grünen nennen ein Entlastungsvolumen von etwa 1 Milliarde Euro für eine mögliche Stromsteuersenkung. Bundesfinanzminister Klingbeil (SPD) setzt zudem auf eine internationale Lösung und spricht sich für eine Übergewinnsteuer auf EU-Ebene aus.
Auch Zentralverband des Deutschen Handwerks und Deutscher Gewerkschaftsbund mischen sich ein: Das Handwerk unterstützt die Idee einer Stromsteuersenkung, fordert aber zusätzlich eine Reduzierung der Lohnnebenkosten. Der DGB plädiert umfassender für Erleichterungen – darunter auch bei Energie- und Mineralölsteuern sowie eine zweite Gaspreisbremse.
Noch direkter wird der Ton bei den Fachverbänden Omnibusverkehr Hessen e.V. und Pkw-Verkehr Hessen e.V.: In einem Offenen Brief, der auf vorsprung-online.de veröffentlicht wurde, fordern die Verbände Bundeskanzler Friedrich Merz auf, die Kraftstoffkrise zur Chefsache zu machen. Unterzeichnet ist das Schreiben von Mathias Hörning, Geschäftsführer beider Verbände.
Die Kernbotschaft: Für Bus-, Taxi-, Mietwagen- und Krankenbeförderungsunternehmen ist Diesel keine freiwillige Ausgabe, sondern eine unverzichtbare Betriebsgrundlage. Wie aus dem Brief hervorgeht, können die gestiegenen Kraftstoffkosten häufig nicht oder nur mit erheblicher Verzögerung an Auftraggeber weitergegeben werden – etwa weil Vergütungen zu einem Zeitpunkt vereinbart wurden, als die aktuelle Preisentwicklung nicht absehbar war.
Konkret fordern die Verbände laut vorsprung-online.de unter anderem eine vorübergehende deutliche Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, die Aussetzung bzw. Rücknahme der CO₂-Bepreisung, einen gezielten Entlastungsmechanismus für das gewerbliche Verkehrsgewerbe sowie Maßnahmen gegen extreme Preissprünge an Tankstellen. Das Schreiben warnt: Ohne wirksame Entlastung drohen Insolvenzen, Betriebsschließungen und der Verlust von Arbeitsplätzen – und damit auch Einschränkungen bei der Schüler- und Krankenbeförderung im ländlichen Raum.
Einig sind sich viele Stimmen in einem Punkt: Deutschland belastet Kraftstoffe erheblich durch Energiesteuer, CO₂-Bepreisung und Mehrwertsteuer. Besonders kritisch ist laut dem Offenen Brief, dass die Mehrwertsteuer auch auf jene Preisbestandteile erhoben wird, die bereits durch Energiesteuer und CO₂-Bepreisung verteuert wurden. Steigt der Kraftstoffpreis, steigen also automatisch auch die staatlichen Einnahmen – während Betriebe unter dem Kostendruck ächzen.
Klar ist: Die Lage ist kein Nischenthema mehr. Ob Pendler an der Zapfsäule, Handwerksbetriebe in NRW oder Busunternehmen auf dem Land – der Rekordpreis beim Diesel trifft viele. Und die Politik? Die diskutiert noch.
Warum ist der Dieselpreis gerade so hoch?
Der Dieselpreis hat laut den vorliegenden Quellen ein neues Allzeithoch erreicht. Als Preistreiber gelten unter anderem Energiesteuer, CO₂-Bepreisung und Mehrwertsteuer, die sich gegenseitig überlagern.
Was fordert der ADAC konkret?
Der ADAC fordert eine deutliche Senkung der Stromsteuer für private Verbraucher – möglichst bis auf den EU-Mindestsatz von 1 Euro pro Megawattstunde. Das würde laut IT Boltwise bei einem typischen Haushalt rund 81 Euro Ersparnis pro Jahr bedeuten.
Wer ist besonders von den hohen Dieselpreisen betroffen?
Besonders hart trifft es laut dem Offenen Brief der Fachverbände Omnibusverkehr Hessen e.V. und Pkw-Verkehr Hessen e.V. Bus-, Taxi-, Mietwagen- und Krankenbeförderungsunternehmen, die Diesel als unverzichtbare Betriebsgrundlage benötigen.
Was fordern die Verbände von der Bundesregierung?
Die Fachverbände verlangen unter anderem eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, die Aussetzung der CO₂-Bepreisung und einen gezielten Entlastungsmechanismus für das gewerbliche Verkehrsgewerbe.
Was kostet eine Stromsteuer-Senkung den Staat?
Das Bundesfinanzministerium beziffert laut IT Boltwise die jährlichen Kosten einer Senkung für alle Verbrauchergruppen auf rund 5,4 Milliarden Euro – bei Gesamteinnahmen aus der Stromsteuer von 5,9 Milliarden Euro im Jahr 2025.
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