220.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in Köln. Zum 25. Ehrenamtstag am 6. September spricht OB Burmester über Demokratie, Grenzen und Wertschätzung.
Stell dir vor, du wachst morgens auf und plötzlich gibt es keine Übungsleiter mehr im Sportverein, keine Vorleser in der Grundschule, keine Nachbarschaftshilfe. Klingt dystopisch? Für Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester wäre eine Stadt ohne Ehrenamt schlicht „unsolidarischer, kälter und ungerechter“. Und er hat Recht – denn rund 220.000 Menschen engagieren sich in Köln ehrenamtlich.1 Anlässlich des 25. Kölner Ehrenamtstags am 6. September wird das mal wieder richtig deutlich.
Burmester nennt das Ehrenamt eine „Tankstelle der Demokratie“ – und je schwieriger die Zeiten für die Demokratie werden, desto wichtiger wird es, dieses Engagement zu würdigen.1 Susanne Kunert, Leiterin der Kommunalstelle für Förderung und Anerkennung Bürgerschaftlichen Engagements (FABE), sieht Köln dabei im bundesweiten Vergleich sehr gut aufgestellt. Allerdings gibt es ein Nord-Süd-Gefälle: Je weiter es in Deutschland nach Süden geht, desto tiefer ist das Ehrenamt in der Tradition verwurzelt.1
Die meisten Ehrenamtlichen findest du im Sport und im sozialen Bereich – also in der Senioren-, Nachbarschafts-, Obdachlosen- oder Flüchtlingshilfe. Aber auch in Kirchen, Kultur- und Musikvereinen, Schulen, beim Umweltschutz oder in der Politik packen viele Menschen mit an.1 Besonders aktiv ist die Altersgruppe zwischen 30 und 64 Jahren. Viele kommen über das Umfeld ihrer Kinder zum Ehrenamt. Und auch die Generation 65 bis 74 bleibt richtig dabei – erst ab 75 Jahren nimmt das Engagement oft aus gesundheitlichen Gründen ab.1
Spannend: Rund 60 Prozent der 14- bis 21-Jährigen in Köln engagieren sich laut einer Jugendbefragung der Stadt in irgendeiner Form – häufig in Vereinen, Jugendgruppen oder sozialen Projekten.1 Die Jugend ist also voll dabei!
Der Alltag wird voller, Beruf und Studium fressen Zeit – und für feste Vorstandspositionen in Vereinen fehlt oft der Nachwuchs. Aber Kunert macht deutlich: Es gibt viele Wege, sich auch mit weniger Zeit zu engagieren.1 Zum Beispiel über die digitale Ehrenamtsbörse der Stadt Köln, die während der Corona-Zeit entstanden ist. Oder über das Projekt „Kurz & Gut“ der Kölner Freiwilligenagentur: Einfach per Mail anmelden, und schon kannst du noch am gleichen Tag spontan aushelfen – unkomplizierter geht’s kaum.1
Hier wird’s ernst – und das ist der Punkt, der wirklich sitzt. Burmester warnt klar davor, das Ehrenamt als Lückenbüßer für fehlende staatliche Leistungen zu nutzen: „Wir müssen aufpassen, dass wir das Ehrenamt nicht als Sparmöglichkeit in Konsolidierungsdebatten missbrauchen.“1 Wegfallende städtische Leistungen können nicht einfach durch ehrenamtliches Engagement ersetzt werden. Gleichzeitig soll das Ehrenamt auch keine Ungleichheit schaffen – etwa wenn ein Viertel von aktiven Ehrenamtlern profitiert, ein anderes aber nicht.
Seit 2023 engagieren sich im Forum „Unternehmen engagiert in Köln“ bereits 35 Firmen bei gemeinsamen Aktionstagen – von Kastanienblätter-Sammeln bis zum Hochbeete-Anlegen.1 Das Ziel: Irgendwann sollen es 100 Unternehmen sein. Die Stadt Köln vergibt außerdem seit 2001 den Ehrenamtspreis „KölnEngagiert“, seit 2005 den Schulpreis „Eine Frage der Ehre“ und seit 2020 den Miteinander-Preis für Demokratie und Vielfalt.1
Am 6. September steigt der 25. Kölner Ehrenamtstag im südlichen Rheinauhafen – mit Bühne, Musik, Tanz und der Verleihung des Ehrenamtspreises „KölnEngagiert“.1 Dazu eröffnet die Ausstellung „Silber für die Goldwerten“ im Historischen Rathaus, die Porträts und Geschichten engagierter Kölnerinnen und Kölner zeigt. Danach tourt sie bis Februar 2027 durch die Bezirksrathäuser.1 Also: Hinschauen lohnt sich!
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