Das Glücksgefühle-Festival entließ Alphaville wegen politischer Aussagen – jetzt rudert Veranstalter Krampe zurück. Die Band lehnt den Auftritt dennoch ab.
Was für ein Drama! Das Glücksgefühle-Festival hat in den letzten Tagen für mächtig Wirbel gesorgt – und das noch vor dem ersten Konzert. Im Mittelpunkt: die Ausladung der 80er-Kultband Alphaville durch Festivalveranstalter Markus Krampe (54), der das Event seit 2023 gemeinsam mit Ex-Fußballnationalspieler Lukas Podolski (41) organisiert. Was dann folgte, war eine echte Kettenreaktion aus Empörung, Solidarität und schließlich einem Rückzieher – der am Ende aber trotzdem nichts mehr gerettet hat.1
Die Band um Sänger Marian Gold (72) war kurz vor dem Festival aus dem Programm gestrichen worden. Der Grund laut Veranstalter: Man habe sich nicht darauf einigen können, „politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen“. Laut Bandmanager ging es dabei konkret um Aussagen gegen Rechts und für Demokratie. Marian Gold machte die Absage öffentlich und kommentierte: „Diese Begründung gleicht aus unserer Sicht einem Maulkorberlass – uns allen bestens bekannt aus Diktaturen.“1
Das Internet explodierte – und die Musikszene zog mit. Beim Konzert der Toten Hosen in Münster sprach Campino vor 25.000 Fans Klartext: „Wir finden es extrem fragwürdig und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD oder Trump äußert.“ Dann holte er kurzerhand Marian Gold auf die Bühne, und gemeinsam schmetterten sie „Forever Young“ in die Menge. Campino ließ außerdem kein gutes Haar am Festival: „Sie sind so viel Millionen Mal größer als dieses beschissene Piss-Festival.“1
Auch die Donots schlugen in dieselbe Kerbe und posteten: „Danke, Alphaville. Es sind gruselige Zeiten, wenn plötzlich dafür gesorgt werden soll, dass vor und auf Bühnen niemand das Maul gegen braune Scheiße aufmacht.“1
Selbst aus der Politik kam Gegenwind. Robin Mesarosch, Co-Vorsitzender der SPD Baden-Württemberg, kritisierte: „Es ist Murks, wenn ein Veranstalter den einen Musiker auftreten lässt, den anderen aber nicht, und dann auch noch behauptet, das wär unpolitisch.“ Er rief dazu auf, den Veranstaltern direkt zu schreiben, was man von der Entscheidung hält.1
Kölschrocker Peter Brings von der Band Brings zog eine klare Linie: „Wenn wir in diesem Jahr gebucht gewesen wären, würden wir nicht mehr auftreten.“ Und weiter: „Wir sind jetzt an dem Punkt, wo keiner mehr schweigen darf.“1
Angesichts der vergifteten Stimmung noch vor dem ersten Konzert ruderten die Veranstalter zurück. Krampe erklärte gegenüber „Bild“: „Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid. Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben, sie ist zu schützen.“ Er lud Alphaville sogar wieder ein – „nicht als Zeichen eines Nachgebens, sondern als bewusste Entscheidung für das, was uns verbindet.“1
Auch Lukas Podolski meldete sich bei Instagram zu Wort: „Ich finde es gut, dass Markus die Entscheidung nochmal überdacht und klar gesagt hat, dass es ein Fehler war. Fehler passieren. Wichtig ist doch, wie man damit umgeht. Alphaville ist herzlich willkommen.“1
Doch der Schaden war bereits angerichtet. Marian Gold ließ über die Nachrichtenagentur dpa ausrichten: „Wir nehmen die Entschuldigung und Wiedereinladung des Veranstalters Markus Krampe zur Kenntnis und hoffen, dass er von nun an die Bedeutung von Rede- und Kunstfreiheit beim ‚Glücksgefühle-Festival‘ gebührend respektiert.“ Und dann kam das endgültige Nein: „Ungeachtet dessen haben die vorangegangenen Äußerungen eine Atmosphäre geschaffen, in der wir von einem Auftritt absehen.“ Die Gage für den ausgefallenen Auftritt will die Band an eine gemeinnützige Organisation spenden.1
Pikant am Rande: Krampe hatte parallel zur Wiedereinladung bereits die Kölner Rechtsanwaltskanzlei Höcker beauftragt, die Social-Media-Äußerungen von Marian Gold zu überprüfen – das dürfte die Fronten kaum entspannt haben.1
Dass Köln immer wieder im Zentrum großer gesellschaftlicher Debatten steht, ist kein Zufall. Die Stadt ist Heimat von Musikszene, Medien und auch ambitionierten Stadtentwicklungsplänen – wie wir in einem früheren Beitrag über den möglichen Umzug des Kölner Hauptbahnhofs berichtet haben. Ob Festival, Stadtplanung oder Musikkultur – in Köln bleibt’s spannend.2
Der Glücksgefühle-Eklat zeigt jedenfalls: Wer Künstler zum Schweigen bringen will, bekommt am Ende noch viel mehr zu hören. Die Botschaft von Alphaville, den Toten Hosen, den Donots und unzähligen anderen ist angekommen – und „Forever Young“ klingt gerade aktueller denn je.
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