Tankrabatt verpufft: Spritpreise liegen laut ADAC wieder auf dem Niveau vor der Entlastung. Warum Krieg und Krisen die Preise an der Zapfsäule treiben.
Eigentlich sollte der Tankrabatt seit dem 1. Oktober 2026 für spürbar weniger Schmerzen an der Zapfsäule sorgen. Rund 17 Cent pro Liter Ersparnis waren versprochen, finanziert über eine Senkung der Energiesteuer. Wie wir in einem früheren Beitrag schon gezeigt haben, kam davon in der Praxis deutlich weniger bei den Autofahrern an als gedacht. Jetzt zeigt sich: Die Entlastung schmilzt noch schneller zusammen, als viele befürchtet hatten.
Laut Daten des ADAC kostete ein Liter Super E10 Anfang Oktober im Schnitt knapp 2,14 Euro, ein Liter Diesel rund 2,25 Euro. Damit lag das Preisniveau praktisch wieder dort, wo es schon zu Beginn des Rabatts stand. Der Automobilclub kritisierte, dass es für diese Entwicklung keine offensichtliche Erklärung gebe, da sich weder der Ölpreis noch der Euro-Dollar-Wechselkurs nennenswert verändert hätten. Für Verbraucher sei das kaum nachvollziehbar, so der ADAC laut Deutschlandfunk. Der Branchenverband Fuels & Energie hatte im Vorfeld zugesichert, den steuerlichen Nachlass komplett weiterzugeben, Verbraucherschützer hatten dagegen schon früh vor dem Gegenteil gewarnt.
Der große Preistreiber in diesem Herbst ist allerdings nicht der Tankrabatt selbst, sondern die weltpolitische Lage. Der Krieg im Nahen Osten beeinträchtigt die Ölexporte aus der Golfregion erheblich, zusätzlich verschärfen begrenzte Raffineriekapazitäten die Lage auf den Kraftstoffmärkten. Das Ergebnis: Der September 2026 war laut ADAC der teuerste Tankmonat aller Zeiten. Im Schnitt zahlten Autofahrer 2,266 Euro für einen Liter Super E10 und 2,386 Euro für einen Liter Diesel, wie die Allgäuer Zeitung unter Berufung auf den ADAC berichtet.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass solche Preisschübe kein neues Phänomen sind. Seit den 1950er-Jahren haben Ölkrisen, Kriege und politische Entscheidungen die Spritpreise immer wieder durcheinandergewirbelt. 1973 und 1979 sorgten die beiden großen Ölkrisen für drastische Preissprünge, 1990 die Invasion Kuwaits durch den Irak, 2008 die Finanzkrise und 2022 der russische Angriff auf die Ukraine. Damals kostete Super E10 im Schnitt 1,86 Euro, Diesel 1,95 Euro pro Liter – ebenfalls ein Rekordjahr, das inzwischen vom Herbst 2026 getoppt wurde.
Wer jetzt stöhnt, sollte laut Allgäuer Zeitung aber auch bedenken, dass Kraftstoffpreise immer im Verhältnis zu Löhnen und Kaufkraft betrachtet werden müssen. In den 1950er-Jahren mussten Arbeiter und Angestellte noch über 20 Prozent ihres Monatslohns fürs Tanken aufwenden, in den 2020er-Jahren waren es laut Bund Naturschutz nur noch rund 4,5 Prozent. Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt zudem, dass Beschäftigte für einen Liter Sprit heute deutlich kürzer arbeiten müssen als etwa 1960, selbst wenn man aktuelle Krisen mit einrechnet.
Das ändert aber nichts daran, dass die aktuelle Situation für viele Autofahrer frustrierend ist. Der Tankrabatt, der eigentlich bis Ende Dezember 2026 laufen und spürbar entlasten sollte, wird durch die weltpolitischen Entwicklungen quasi aufgefressen. Diesel ist inzwischen deutlich teurer als Super E10, ein Trend, den wir bereits in unserem früheren Beitrag zum Tankrabatt beobachtet hatten.
Zum Jahresende bleibt die Lage an den Tankstellen angespannt. Mit Preisen, die laut ADAC schon wieder auf dem Niveau vor dem Tankrabatt liegen, und einer internationalen Krisenlage, die sich nicht so schnell entspannen dürfte, müssen sich Autofahrer in NRW wohl auf weiterhin hohe Spritpreise einstellen. Ob und wie stark die Preise zum Jahreswechsel noch einmal anziehen, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Lage im Nahen Osten und an den internationalen Ölmärkten weiterentwickelt.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!