Nach dem Tod ihrer Mutter gründete Lara Pritzl eine Gruppe in Düsseldorf – für junge Frauen, die gemeinsam Schmerz in etwas Schönes verwandeln wollen.
Yogamatten im Gepäck, ein sonniger Sonntagvormittag im Düsseldorfer Nordpark – und ein stilles Erkennungszeichen: Junge Frauen zwischen Mitte 20 und Mitte 30, die alle dasselbe erlebt haben. Sie alle haben früh ihre Mutter verloren. Was auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Sportkurs aussieht, ist in Wirklichkeit etwas viel Besonderes.1
Die Idee dahinter kam von Lara Pritzl. Ihre Mutter starb im Februar des vergangenen Jahres. Als der nächste Muttertag näherrückte, wusste sie einfach nicht, wie sie diesen Tag verbringen sollte. Also wandte sie sich an TikTok – und fragte andere junge Frauen ohne Mutter, ob sie den Tag gemeinsam mit ihr verbringen möchten. Zwölf Frauen meldeten sich. Aus diesem einen Treffen ist inzwischen ein fester, regelmäßiger Termin in Düsseldorf geworden.1
Eine klassische Trauergruppe? Ausdrücklich nicht. Lara bringt es selbst auf den Punkt: „Hier geht es in erster Linie darum, dass wir was Positives daraus ziehen und irgendwie was Schönes aus diesem Schmerz machen.“1
Statt sich in Schmerz zu vergraben, unternehmen die Frauen gemeinsam etwas – und schaffen dabei Raum für Gespräche, die im Alltag so kaum möglich sind. An diesem Sonntag stand Yoga auf dem Programm, danach ging es zum Brunch. Rund 15 Frauen, aufgeteilt auf zwei Tische, mitten im Gespräch. Und das, obwohl sich viele von ihnen vorher noch nie begegnet sind.1
Genau das ist der Kern dieser Gruppe: Wer seinen Freundeskreis hat, der versucht zu helfen – aber oft fehlt das echte Verständnis. Für viele Menschen in den Zwanzigern oder frühen Dreißigern ist der Verlust eines Elternteils noch weit entfernt. Entsprechend schwer ist es, jemanden zu finden, der die Trauer wirklich aus eigener Erfahrung kennt.1
Teilnehmerin Miriam Rieger, 24 Jahre alt, bringt das treffend auf den Punkt: „Hier kommen ganz andere Fragen als bei Freunden. Hat deine Mama im Krankenhaus gelegen? Wie ging es dir denn damit? Das sind Fragen, auf die andere Menschen berechtigterweise irgendwie auch gar nicht kommen.“1 Freunde wollen helfen – aber in dieser Gruppe muss niemand erst lange erklären, warum bestimmte Momente einfach schwer sind.
Zwischendurch fließen Tränen. Aber dann wird auch wieder gelacht. Die Frauen zeigen sich gegenseitig Fotos ihrer Mütter auf dem Handy und teilen ihre schönsten Erinnerungen. Am Ende werden Kontaktdaten ausgetauscht und der nächste Termin steht schon im Kalender.1
Genau so soll es sein, findet Lara. Die Trauer darf da sein – aber sie soll nicht alles bestimmen. Und aus dem gemeinsamen Verlust darf etwas Neues entstehen: „Ich kann zwar keine Trauer wegmachen oder gebrochene Herzen heilen. Aber ich kann diesen Raum schaffen.“1
Nach dem Brunch gehen die Frauen ihre eigenen Wege. Aber sie wissen: Sie sind nicht allein. Und der nächste Termin steht schon fest. Was als spontaner TikTok-Aufruf am Muttertag begann, hat sich zu einer echten kleinen Community entwickelt – für junge Frauen in NRW, die genau wissen, wie es sich anfühlt, in jungen Jahren ohne Mutter auszukommen.1
Wenn du selbst gerade durch so eine Zeit gehst oder jemanden kennst, dem eine solche Gemeinschaft helfen könnte – manchmal braucht es nur den Mut, den ersten Schritt zu machen. Und manchmal beginnt alles mit einer Yogamatte im Park.
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