Zum Jahreswechsel könnte Tanken bis zu 40 Cent pro Liter teurer werden. Der Tankstellenverband erklärt, warum und was Autofahrer jetzt wissen müssen.
Kaum hat sich der Tankrabatt an den Zapfsäulen bemerkbar gemacht, droht schon die nächste Preiswelle. Zum 1. Januar 2027 läuft die Steuersenkung aus – und laut Carsten Müller, Chef des Bundesverbands freier Tankstellen (BFT), könnte das richtig ins Geld gehen. Bis zu 40 Cent mehr pro Liter stehen im Raum. Wie wir in einem früheren Beitrag schon gezeigt haben, war der Spareffekt des Tankrabatts ohnehin überschaubar. Jetzt wird klar: Das Ende der Entlastung könnte richtig wehtun.
Müller rechnet im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung ganz genau vor, was auf Autofahrer zukommt. Durch die Rückkehr zum vollen Steuersatz kommen demnach direkt 17 Cent pro Liter obendrauf. Dazu kommt die steigende Treibhausgas-Minderungsquote, die Kraftstoffanbieter zwingt, ihre CO2-Emissionen zu senken – das macht laut Müller noch mal sieben bis zehn Cent aus. Damit liegt der Aufschlag schon bei 24 bis 27 Cent. Wenn dann, wie an vielen Tankstellen üblich, mittags noch mal eine Erhöhung um zehn Cent draufkommt, landet man laut Müller „locker bei 35 bis 40 Cent mehr pro Liter“. Sein Fazit dazu, wie t-online berichtet: „Das ist dann der Moment, an dem ich nicht an der Tankstellenkasse stehen möchte.“
Die Bundesregierung will solchen Preisspitzen mit einem Spritpreisdeckel begegnen, der ab 2027 die Margen der Branche begrenzen soll. Vom BFT-Chef kommt dafür allerdings wenig Zustimmung. „Ein Spritpreisdeckel ist blanker Populismus“, sagt Müller laut Welt. Er verweist dabei auch auf regionale Unterschiede bei den Einkaufspreisen: In Köln müsse er Diesel und Benzin deutlich teurer einkaufen als Wettbewerber in günstigeren Regionen, weil er auf den Rhein als Transportweg angewiesen sei. Laut t-online kostete der Transport einer Tonne Kraftstoff von Amsterdam nach Köln Anfang des Jahres noch rund 15 Euro – inzwischen seien es 110 Euro. Ein bundesweiter Preisdeckel würde seine Region daher besonders hart treffen, während andere Betreiber vergleichsweise ungeschoren davonkämen.
Überraschend: Auch der eigentlich entlastend gedachte Tankrabatt kommt bei Müller nicht gut weg. „Steuerungspolitisch ist das völlig verkehrt“, sagt er laut t-online. Sein Argument: Der Markt sei aktuell von mehreren Krisen gleichzeitig geprägt – dem Krieg in der Ukraine, dem Konflikt an der Straße von Hormus und dem Niedrigwasser im Rhein. Eine geringere Steuer verändere daran wenig. Zudem bringe die Umstellung praktische Probleme mit sich: Schon am letzten Tag des Tankrabatts rechnet Müller mit Hamsterkäufen – manche Leute würden sogar Sprit in Colaflaschen abfüllen, sodass die Tankstellen regelrecht leergetankt würden. Zum Jahreswechsel, wenn der Rabatt wieder wegfällt, könnte sich das laut Müller wiederholen oder sogar noch verschärfen.
Vorwürfe, die Branche würde die niedrigere Energiesteuer nicht vollständig weitergeben, weist Müller klar zurück: „Wir zocken niemanden ab“, zitiert ihn die Welt. Fest steht trotzdem: Wer in den kommenden Wochen tanken muss, sollte den Jahreswechsel im Blick behalten. Die Kombination aus auslaufendem Rabatt und steigender Klimaabgabe könnte die Preise spürbar nach oben treiben – und wer genau um die Mittagszeit an die Zapfsäule fährt, erwischt laut Müller womöglich den teuersten Moment des Tages. Ein Blick auf die Preis-Apps und ein bisschen Planung beim Tanken könnten sich zum Jahreswechsel also richtig lohnen.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!