Spaghetti-dünne Membranen filtern Mikroplastik aus Abwasser: Wie Klaus Vossenkaul aus Roetgen mit seiner Erfindung den Deutschen Umweltpreis 2026 gewann.
Am Sonntag, 25. Oktober, war es so weit: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat im Aachener Eurogress den Deutschen Umweltpreis 2026 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) überreicht. Wir hatten euch in einem früheren Beitrag schon erzählt, wer die Preisträger:innen sind – jetzt gibt’s die spannenden Details zu einer der beiden ausgezeichneten Erfindungen. Denn was Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul aus Roetgen da gebaut hat, klingt wirklich nach Science-Fiction.
Vossenkaul ist Gründer und Geschäftsführer der Firma Membion, die laut der Nachrichtenagentur APA-OTS einst sprichwörtlich als Garagenfirma gestartet ist. Mittlerweile hält er 28 Patente und hat damit, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, „neue Maßstäbe in der Abwasserreinigung gesetzt“. Im Zentrum steht eine Membranfiltertechnologie mit sogenannten Hohlfasermembranen: dünne Röhrchen, etwa 1,60 Meter lang, die laut DBU aussehen wie Spaghetti und hohl sind wie Makkaroni. Durch feinste Poren in diesen Membranen wird das Abwasser gepresst – und zurück bleiben problematische Stoffe wie Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime. Am Ende kommt kristallklares Wasser raus.
Das Besondere an der Technologie ist aber nicht nur die Filterleistung, sondern auch die Effizienz. In einer Pilot-Kläranlage im Eifeldorf Konzen bei Monschau konnte die Membion-Technologie laut DBU im Vergleich zu herkömmlichen Plattenmodul-Membranfiltern den Energieverbrauch um mehr als 90 Prozent senken, den Platzbedarf um 75 Prozent reduzieren und ein sechsstelliges Einsparpotenzial bei den Stromkosten pro Jahr erzielen. Bonde bringt es auf den Punkt: „Solche grünen Technologien sind ein Win-Win für Ökologie und Ökonomie.“ Dass die Technik auch für große Projekte taugt, zeigt sich in Wolfsburg-Stahlberg: Dort entsteht gerade mit Membion-Technologie Deutschlands größte Membran-Kläranlage.
Der Rekordhitze-Sommer 2026 habe laut Bonde noch einmal vor Augen geführt, wie relevant der sparsame und saubere Umgang mit Wasser künftig wird. Dazu kommt ein rechtlicher Push: Ab Juli 2027 muss die EU-Kommunalabwasser-Richtlinie (KARL), die eine zusätzliche vierte Reinigungsstufe vorschreibt, in nationales Recht umgesetzt sein. Betroffene Kläranlagen müssen in den Folgejahren umgerüstet werden – und dürften damit verstärkt auf Lösungen wie die aus Roetgen schauen.
DBU-Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Kai Niebert fasste die Leistung von Vossenkaul so zusammen: Er beweise, „wie aus Erfindergeist ein wirtschaftlicher Erfolg werden kann“. Die von ihm entwickelte Technologie mache deutlich, dass Umweltschutz kein Hindernis für Innovation sei, sondern ihr Antrieb sein könne. Der Deutsche Umweltpreis ist laut DBU mit insgesamt 500.000 Euro dotiert und wurde dieses Jahr zum 34. Mal vergeben – damit zählt er zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. Die Preisverleihung selbst war laut der Aachener Zeitung keine öffentliche Veranstaltung, wurde aber ab 11 Uhr live auf dem YouTube-Kanal der DBU übertragen.
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