Nach der Gen-Z-Demo in Köln zieht die Polizei Bilanz: 23 Verletzte, Kritik an der Einkesselung und klare Worte vom Polizeipräsidenten zur Gewaltbereitschaft.
Zwei Tage nach der eskalierten Gen-Z-Demo ist in Köln immer noch Thema Nummer eins, was da eigentlich passiert ist. Schüler, Studierende und auch deren Eltern fragen sich: Wie soll man demonstrieren, wenn extreme Gruppen eine Kundgebung einfach kapern? Wir hatten euch ja schon in einem früheren Beitrag erzählt, dass Polizeipräsident Johannes Hermanns richtig klare Worte gefunden hat. Jetzt gibt’s neue Zahlen und auch neue Stimmen von Leuten, die selbst dabei waren.1
Die Bilanz der Nacht ist ziemlich heftig: 23 Polizistinnen und Polizisten wurden verletzt, die meisten mit Knalltraumata, weil sie bei explodierenden Böllern standen. Wie viele Demonstrierende verletzt wurden, ist bis jetzt noch unklar. Genauso wenig weiß man, wie viele Ermittlungsverfahren am Ende rauskommen werden. Die Polizei muss sich erstmal durch jede Menge Videomaterial wühlen, denn viele der mutmaßlichen Gewalttäter waren vermummt.1
Eine Anwohnerin, die direkt am Kundgebungsort in einem Seniorenheim wohnt, hat sich mit bewegter Stimme bei der Polizei bedankt. Sie fühlte sich und ihre Einrichtung geschützt – zeigt schon, wie gefährlich die Lage vor Ort tatsächlich war.1
Für die Polizei war’s definitiv kein einfacher Job. Rund 1.000 Demonstrierende wurden nach der Kundgebung eingekesselt, weil sie laut Polizei als sogenannte Störer eingestuft wurden. Mehrfach sei die Gruppe aufgefordert worden, den Ort zu verlassen – das bestätigen auch Beobachter vor Ort. Ob diese Durchsagen aber wirklich bei allen angekommen sind, bleibt fraglich.1
Genau da hakt die Kritik von Betroffenen ein: Eine Studentin und ein IT-Experte, der über acht Stunden im Kessel ausharren musste, widersprechen der Polizei-Darstellung deutlich. Sie hätten keine Aufforderung gehört. Besonders mitgenommen hat den IT-Experten, dass 15-Jährige nur mit Pullover bis spät abends in der Kälte stehen mussten. Die Studentin kritisiert außerdem, dass man mit den Beamtinnen und Beamten gar nicht reden konnte.1
Am Abend hat sich Polizeipräsident Johannes Hermanns nochmal ausführlich geäußert. Ihm ist wichtig, klar zu trennen zwischen den friedlichen Demonstrierenden und den „extremistischen Kräften“, die die jungen Leute laut ihm unterwandert haben.1
Seine Worte waren deutlich: „Ganz früh haben wir schon Gegenstände beschlagnahmt wie geschliffene Messer und Stichwerkzeuge.“ Die Polizeikräfte seien massiven Angriffen ausgesetzt gewesen, ob durch Steinwürfe oder Böller. Für Hermanns steht fest: „Das ist nach meinem Dafürhalten nicht nur Körperverletzung, sondern das sind Attacken, die sich gegen das Leben unserer Kolleginnen und Kollegen richten.“1
Die Einkesselung und der Einsatz von Wasserwerfern hätten sich laut Hermanns explizit nicht gegen friedliche Demonstrierende gerichtet. Trotzdem habe die Polizei diese Maßnahmen für nötig gehalten, als die Proteste komplett aus dem Ruder liefen. Schon bei den ersten Ausschreitungen hatte der Polizeipräsident betont, wie sehr er die friedlichen Teilnehmenden respektiert, die sich klar von der Gewalt distanziert haben – während von der Linken Kritik an den Polizeimaßnahmen kam.2
Klar ist: Die Aufarbeitung dieser Nacht ist noch lange nicht abgeschlossen. Videomaterial muss ausgewertet, Verletzte gezählt und Verfahren eingeleitet werden. Gleichzeitig bleibt die Frage im Raum, wie man als friedlicher Demonstrant sein Recht auf Protest wahrnehmen kann, ohne dass Extremisten die ganze Sache für sich kapern. Eine einfache Antwort darauf gibt’s leider nicht – aber die Diskussion in Köln dürfte uns noch eine Weile begleiten.
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