Bundeskanzler Merz kam mit Verspätung zum Libori-Mahl in Paderborn – zuvor nahm er in Berlin an einer Gedenkveranstaltung nach dem CSD-Anschlag teil.
Was für ein Sonntag: Bundeskanzler Friedrich Merz stand am 26. Juli 2026 vor einer emotionalen Zerreißprobe. Erst die Gedenkveranstaltung in Berlin nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day – und dann doch noch die Reise nach Paderborn zum traditionsreichen Libori-Mahl. Mit deutlicher Verspätung, aber mit klarer Haltung.1
Im Historischen Rathaus Paderborn begann Merz seine Festrede nicht mit Europa oder Wirtschaft – sondern mit den Ereignissen in der Hauptstadt. Er gab offen zu, dass er überlegt hatte, ob er die Reise nach Paderborn überhaupt antreten könne. Seine Entscheidung fiel bewusst pro Libori-Mahl – ein Statement für Normalität und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten.1
Merz machte dabei deutlich, was ihm wichtig ist: Dem „hässlichen Antlitz der Intoleranz“ müsse man Offenheit und Freiheit entgegensetzen. Starke Worte – und ein klares Signal an alle, die Hass und Gewalt als Mittel sehen.1
Wer das Libori-Mahl nicht kennt: Es ist eine der traditionsreichsten Veranstaltungen des Libori-Festes und wird seit 1449 von der Libori-Gilde ausgerichtet. Jedes Jahr hält eine prominente Persönlichkeit eine Festrede – das Thema ist dabei immer Europa. Danach gibt’s ganz klassisch ein westfälisches Mahl. Also echte NRW-Tradition vom Feinsten!1
Vor seiner Festrede trug sich der Bundeskanzler noch in das Goldene Buch der Stadt Paderborn ein – ein symbolischer Moment, der zeigt, wie bedeutend dieser Besuch für die Stadt war. Ins Historische Rathaus gelangte Merz übrigens diskret über einen Nebeneingang, da das Libori-Mahl als geschlossene Veranstaltung der Libori-Gilde stattfand.1
Während drinnen beim Mahl über Europa und gesellschaftliche Herausforderungen gesprochen wurde, gab es draußen lautstarken Protest: Mehrere hundert Menschen demonstrierten auf der Florianwiese und in der Paderborner Innenstadt gegen die Politik der Bundesregierung. Zu der Kundgebung hatte ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien sowie kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Gruppen aufgerufen.1
Für die normalen Besucher des Libori-Festes war vom Kanzlerbesuch übrigens kaum etwas zu sehen – der Abend verlief für die meisten Festgäste ganz unbemerkt.1
Merz hätte auch einfach absagen können. Er hat es nicht getan – und das sagt einiges. Der Besuch beim Libori-Mahl war nicht nur ein Pflichttermin, sondern ein bewusstes Zeichen: Das Leben und die Demokratie gehen weiter, auch wenn dunkle Momente sie erschüttern. Paderborn und sein jahrhundertealtes Fest standen an diesem Sonntag stellvertretend für genau das.1
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