Die rote „2020″-Skulptur auf dem Wiener Platz in Köln-Mülheim verwirrt viele – doch mit Corona hat sie nichts zu tun. Wir erklären, was dahintersteckt.
Wer durch Köln-Mülheim schlendert und den Wiener Platz besucht, reibt sich vielleicht die Augen: In großen, roten Lettern prangt dort die Jahreszahl „2020″ über dem Platz. Corona-Denkmal? Irgendein Kunstprojekt? Viele Anwohnerinnen, Anwohner und Geschäftsleute vor Ort können sich keinen Reim darauf machen – dabei steht die Skulptur schon seit 2013 dort.1
Die naheliegendste Assoziation ist natürlich die Pandemie. Aber keine Sorge: Die Stadt Köln wollte hier definitiv kein Corona-Denkmal errichten.1 Hinter der roten Zahl steckt tatsächlich etwas ganz anderes – nämlich das Strukturförderprogramm „Mülheim 2020″. Die Skulptur wurde 2013 aufgestellt, um den Bekanntheitsgrad des Programms zu erhöhen.1
Das Programm wurde mit rund 40 Millionen Euro gefördert – Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie aus Städtebaumitteln des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen.1 Ziemlich beachtlich, oder?
„Mülheim 2020″ hatte ein klares Ziel: Die Stadtteile Mülheim, Buchforst und Buchheim sollten mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen aufgewertet werden. In allen drei Stadtteilen waren Armut und Arbeitslosigkeit damals stark ausgeprägt, der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte hoch.1
Was wurde konkret angepackt? Zum Beispiel:
Klingt nach einem starken Paket – und einiges hat auch wirklich funktioniert.1
Schon 2015 fiel die Bilanz gemischt aus. Die Bildungsprojekte bekamen im Abschlussbericht gute Noten – positive und teils nachhaltige Effekte wurden bescheinigt. Die lokale Wirtschaft kam trotz der Fördermillionen aber nicht so richtig in Schwung, und auch die Gründungsberatung führte nur zu wenigen neuen Unternehmen.1
Und wie sieht es heute aus? Auch 2026 sind Arbeitslosigkeit und Armut in Mülheim noch weit verbreitet. Der Wiener Platz selbst ist weiterhin ein Sorgenkind: Trinker- und Drogenszene gehören noch immer zum Bild des Platzes, viele Anwohnerinnen und Anwohner wünschen sich mehr Grün und Aufenthaltsqualität. Eine grundlegende Neugestaltung ist kurzfristig nicht absehbar – das Geld für ein umfassendes Konzept fehlt.1
Auf Wunsch der Arbeitsgruppe Wiener Platz wurde nach Abschluss des Programms auf einen Rückbau der Skulptur verzichtet. Ein Stadtsprecher bestätigte: „Das Bauwerk ist in einem sicheren Bauwerkszustand, die Standsicherheit wurde nachgewiesen, sodass die Skulptur stehen bleiben kann.“1
Die roten Lettern „2020″ bleiben also, wo sie sind – als stilles Zeugnis eines ambitionierten Programms, dessen Erfolge und Grenzen bis heute diskutiert werden. Wer jetzt neugierig auf Köln-Mülheim und seinen Wiener Platz geworden ist: Schau doch mal vorbei und bilde dir selbst ein Urteil. Und falls du mehr spannende Geschichten aus NRW willst, bleib bei Antenne NRW auf antenne.nrw am Ball!
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