Postkarten mit „Babykäufer raus aus dem Bundestag“ landen in Ahauser Briefkästen – dahinter steckt die spanische Stiftung CitizenGO.
Viele Ahauser haben in letzter Zeit eine ungewöhnliche Post in ihrem Briefkasten gefunden: Eine Postkarte mit einem lachenden Jens Spahn und einem Kinderwagen — klingt erstmal harmlos, oder? Doch der Schein trügt. Darunter prangt in großen Lettern: „Babykäufer raus aus dem Bundestag.“ Dahinter steckt die spanische Stiftung „CitizenGO“ — und die Aktion hat für ordentlich Zündstoff gesorgt.1
Mitte dieses Jahres wurde bekannt, dass Jens Spahn und sein Partner mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden sind. Das Pikante daran: Spahn hatte sich früher ausdrücklich gegen Leihmutterschaft ausgesprochen. Viele warfen ihm daraufhin Doppelmoral vor. Der CDU-Politiker trat infolgedessen von sämtlichen Ämtern zurück — sein Bundestagsmandat aber behielt er.1
Und genau das ist der Punkt, an dem die Postkartenaktion ansetzt. Die Ahauser wurden dazu aufgerufen, die Karte in den Briefkasten von Spahns Abgeordnetenbüro zu werfen und ihn so zum kompletten Rückzug aus dem Bundestag zu bewegen. Zusätzlich wurde zur Unterzeichnung einer Online-Petition aufgerufen — mehr als 57.000 Menschen haben das nach Angaben der Stiftung bereits getan.1
Die ursprüngliche Petition wurde bereits im Juli von der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) ins Leben gerufen. ALfA ist ein christlicher Lobbyverein, der sich strikt gegen Abtreibung, Sterbehilfe und Leihmutterschaft wendet. Von der konkreten Postkartenaktion in Ahaus aber hatte ALfA nach eigenen Angaben keine Ahnung.1
ALfA-Vorsitzende Cornelia Kaminski machte gegenüber dem WDR klar: „Die Postkartenaktion war uns bis jetzt nicht bekannt, ist nicht mit uns abgesprochen und schon gar nicht von der ALfA initiiert.“ Ihr Fazit: Spahns Rücktritt vom Fraktionsvorsitz verdiene Respekt — kein Nachtreten per Massenpostkarte. Sie habe den Verantwortlichen bei CitizenGO ausdrücklich mitgeteilt, dass ALfA kein Beharren auf weiteren Forderungen gegen Spahn möchte.1
Auch aus Spahns eigenem politischen Umfeld kommt scharfe Kritik. Markus Jasper, Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Borken, lässt kein gutes Haar an der Aktion. Bei CitizenGO handle es sich um eine international agierende Kampagnenorganisation, deren Verbindungen zu russischen und rechtsextremen Akteuren bereits Gegenstand investigativer Recherchen gewesen seien. Jasper wird deutlich:1
„Die Art und Weise dieser Kampagne überschreitet für mich eine Grenze. Menschen werden diffamiert und eine Familiengründung für eine Kampagne instrumentalisiert.“
Spahns Abgeordnetenbüro verwies auf Nachfrage des WDR auf genau dieses Statement.1
Die spanische Stiftung CitizenGO ist kein unbeschriebenes Blatt. Ein Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ aus dem Jahr 2024 wirft der Organisation Nähe zu ultrakonservativen Christen vor. Zuletzt hatte sich CitizenGO gegen jede Form der Abtreibung eingesetzt. Ob es bei Polizeibehörden oder Verfassungsschutz konkrete Erkenntnisse zu der Stiftung gibt, bleibt offen — eine WDR-Anfrage beim NRW-Innenministerium wurde mit Verweis auf die Gesetzeslage nicht beantwortet.1
Die Postkartenaktion hat eindeutig ihr Ziel verfehlt — zumindest was die Unterstützung angeht. Statt breiter Zustimmung hagelt es Kritik: von ALfA, die die Aktion nicht mitträgt, vom CDU-Kreisverband Borken und aus Spahns direktem Umfeld. Die Debatte rund um Jens Spahn, Leihmutterschaft und politische Konsequenzen bleibt trotzdem ein heißes Thema in NRW. Wie die Geschichte weitergeht? Das bleibt abzuwarten. Wir halten dich auf dem Laufenden — natürlich auf antenne.nrw.
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