Nach über 3.100 Hitzetoten in NRW plant Gesundheitsminister Laumann ein 286-Millionen-Euro-Programm für Kliniken und Pflegeheime.
Der Hitzesommer 2026 hat NRW hart getroffen – und die Schwachstellen im Gesundheitssystem brutal offengelegt. Mehr als 3.100 Menschen sind in diesem Jahr laut Schätzung des Robert Koch-Instituts allein in NRW an den Folgen der Hitze gestorben. Der größte Teil davon: Menschen ab 75 Jahren.1 Höchste Zeit, dass sich etwas ändert. Doch reichen die angekündigten Maßnahmen wirklich aus?
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat am Freitag in Düsseldorf ein umfangreiches Förderprogramm vorgestellt. Insgesamt sollen bis 2029 rund 286 Millionen Euro in den Hitzeschutz fließen – und zwar so:1
Wichtig zu wissen: Eine Klimaanlagen-Pflicht kommt nicht. Laumann betonte, dass es auch andere Wege gebe – etwa Verschattungen und weitere Kühlkonzepte. Das Geld soll übrigens nicht neu im Haushalt auftauchen, sondern durch Umschichtungen bei bestehenden Förderprogrammen bereitgestellt werden.1
Dass Handlungsbedarf wirklich dringend ist, zeigt eine Umfrage der Krankenhausgesellschaft NRW. Das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd: Lediglich zwei Drittel der Kreißsäle verfügen über eine vollständige Klimatisierung oder Kühlung – bei rund 23 Prozent fehlen Klimaanlagen komplett. Besser sieht es in OP-Sälen aus, die zu mehr als 96 Prozent klimatisiert sind, und auf Intensivstationen, wo knapp 83 Prozent der Betten in gekühlten Räumen stehen.1 Auf normalen Krankenstationen? Da sieht es oft ganz anders aus – und genau dort liegen viele der besonders gefährdeten Patient:innen.
Nicht alle sind von Laumanns Plänen überzeugt – im Gegenteil. Der Chef der Krankenhausgesellschaft NRW, Ingo Morell, begrüßte zwar die Ankündigung als „Einstieg“, wies aber darauf hin, dass Gutachten des Verbandes schon vor Jahren einen Investitionsbedarf in Milliardenhöhe ermittelt hatten.1
Der Sozialverband Deutschland in NRW ließ verlauten: „Die jetzt angekündigten Maßnahmen kommen spät.“ Besonders dringend sei der Handlungsbedarf bei Pflegeeinrichtungen und Kitas.1
Aus der Opposition hagelt es ebenfalls Kritik. SPD-Fraktionsvize Lisa Kapteinat bemängelte, dass Laumann „kein zusätzliches Geld“ in die Hand nehme – damit werde der Investitionsmangel nur zwischen verschiedenen Bedarfen hin- und hergeschoben. FDP-Gesundheitsexpertin Susanne Schneider nannte das Ganze sogar „Etikettenschwindel“: Durch die vorgestellten Maßnahmen fließe „kein zusätzlicher Euro in die Krankenhäuser“.1
Seit der extremen Hitzewelle Ende Juni steht Laumann massiv unter Druck. Fehlende Hitzeaktionspläne und mangelhafte Förderprogramme für Klimaanlagen haben in den letzten Monaten für viel Kritik gesorgt. Laumann selbst bezeichnete die Extremhitze von Ende Juni als „Stresstest“ für das Gesundheitssystem – und als „Unwetter“, auf das sich alle besser einstellen müssten.1
Er betonte außerdem, dass viele Hitzetote nicht in Kliniken oder Heimen, sondern zuhause gestorben seien – weshalb auch die Aufklärung der Bevölkerung über Hitzeschutz im eigenen Zuhause ein wichtiger Teil des Programms sei.1
Fakt ist: NRW hat über 500 Krankenhausstandorte und mehr als 2.300 Pflegeheime. Ob 286 Millionen Euro bis 2029 wirklich ausreichen, um all diese Einrichtungen fit für künftige Hitzesommer zu machen, bleibt abzuwarten. Und auch die Laufzeit des Programms ist angesichts der bevorstehenden Landtagswahl noch unklar.1 Klar ist aber: Der nächste heiße Sommer kommt bestimmt – und NRW muss dann besser vorbereitet sein.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!