Sebastian Lege zeigt: Fertig-Rinderrouladen sind oft Trickprodukte – wenig Fleisch, viele Zutaten, lange Haltbarkeit.
Rinderrouladen gelten als traditionelles Festtagsgericht, doch industriell gefertigte Fertigrouladen unterscheiden sich oft deutlich vom Original. In einer aktuellen Analyse zeigt Produktentwickler Sebastian Lege, mit welchen Tricks die Lebensmittelindustrie arbeitet, um günstige, lang haltbare Fertiggerichte herzustellen. ZDFbesseresser
Fertige Rinderrouladen der Industrie bestehen meist aus wenig Fleisch und besonders viel günstiger Füllung. Die Füllung, oft eine homogene Masse aus Schweinefleisch, Zwiebeln, Gewürzen, Kartoffelstärke und günstigen Füllstoffen wie Paniermehl, macht beispielsweise bei einem bekannten Hersteller rund 44 Prozent der gesamten Roulade aus. Trotz Werbeversprechen wie „keine Konservierungsstoffe“ enthalten solche Fertiggerichte oft mehr als 35 verschiedene Zutaten.
Die lange Haltbarkeit der Fertiggerichte – häufig bis zu 12 Monate – wird nicht durch künstliche Konservierungsstoffe, sondern durch Sterilisation erzielt. Hierbei werden die Speisen bei über 100 Grad Celsius unter Druck mit Dampf erhitzt, sodass Keime und Bakterien sicher abgetötet werden. Dieses Verfahren ermöglicht es, die Gerichte komplett ohne Kühlschrank zu lagern. Auch werden Zutaten wie Ascorbinsäure (Vitamin C) als Antioxidationsmittel eingesetzt, um Beilagen wie Rotkohl und Nudeln über Monate frisch erscheinen zu lassen.
Viele Fertigprodukte, darunter auch Rinderrouladen, sind besonders in der Weihnachtszeit beliebt – auch in Nordrhein-Westfalen. Die Tricks der Hersteller betreffen also direkt den Alltag vieler Verbraucher, die schnelle und praktische Lösungen für das Festtagsessen suchen. Verbraucher sollten sich nicht allein auf Aussagen wie „natürlich“, „frei von Zusatzstoffen“ oder „ohne Konservierungsmittel“ verlassen, da die Industrie oftmals alternative Inhaltsstoffe nutzt, um das gleiche Ziel zu erreichen und die Produkte dennoch attraktiv zu vermarkten.
Der Trend zu Fertiggerichten dürfte angesichts steigender Nachfrage nach schnellen und haltbaren Mahlzeiten anhalten. Verbraucher werden daher weiterhin mit zahlreichen Werbeversprechen und „Clean Labeling“-Strategien konfrontiert, bei denen zwar bestimmte Zusätze ausgelassen, allerdings andere technische Hilfsmittel verwendet werden. Bewusstes Lesen der Zutatenliste und das Hinterfragen von Etiketten bleiben daher wichtige Mittel für informierte Kaufentscheidungen.
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