Milliarden-Förderung für neue Kraftwerke: Warum auch NRW als Standort infrage kommt und wer am Ende die Kosten über die Stromrechnung trägt.
Guten Morgen, NRW! Heute geht’s um ein Thema, das uns alle direkt im Portemonnaie treffen könnte: Die Bundesnetzagentur gibt bekannt, welche Unternehmen für den Bau neuer Kraftwerke Fördergelder bekommen. Und zwar nicht wenig – es geht um langfristige Verpflichtungen in Milliardenhöhe, die am Ende die Stromkunden bezahlen. Also wir alle.
Deutschland produziert immer mehr Strom aus Wind und Sonne. In den ersten neun Monaten 2026 deckten erneuerbare Energien nach Branchenangaben knapp 61 Prozent des Stromverbrauchs. Klingt erstmal super, oder? Problem ist nur: Wenn tagelang kein Wind weht und die Sonne nicht scheint, muss trotzdem irgendwer den Strom liefern. Und weil Kohlekraftwerke spätestens 2038 vom Netz gehen sollen, braucht Deutschland Ersatz, der unabhängig vom Wetter Strom liefern kann. Grundlage dafür ist das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz, das im Juli von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurde.
Die Bundesregierung fördert den Bau neuer Kraftwerke und Speicher – und zwar dafür, dass die Betreiber ihre Anlagen einsatzbereit halten, auch wenn gerade mal kein Strom gebraucht wird. 2026 werden in zwei Runden zunächst neun Gigawatt sogenannte reduzierte Leistung ausgeschrieben, was etwa zehn Gigawatt tatsächlicher Kraftwerksleistung entspricht. Die Anlagen müssen mindestens zehn Stunden am Stück Strom liefern können – eine Regel, die vor allem Gaskraftwerken in die Karten spielt, weil Batteriespeicher solche langen Zeiträume schwerer überbrücken können.
Die erste Ausschreibungsrunde über 4,5 Gigawatt endete bereits am 8. September und war deutlich überzeichnet. Die Zuschläge werden am Dienstag veröffentlicht, die zweite Runde über weitere 4,5 Gigawatt folgt am 10. November. Im Mai 2027 kommen nochmal zwei Gigawatt dazu – dann ohne die Zehn-Stunden-Regel, was die Chancen für Batteriespeicher verbessert.
Ziemlich viel, muss man sagen! Bevorzugt werden nämlich Standorte im sogenannten netztechnischen Süden – und dazu zählen auch Nordrhein-Westfalen und Hessen. Angebote für Kraftwerke in dieser Region werden bei der Vergabe rechnerisch günstiger bewertet, was ihre Chancen auf einen Zuschlag erhöht. Es könnte also gut sein, dass bei uns in NRW neue Kraftwerke entstehen.
Die Betreiber bekommen über 15 Jahre eine jährliche Vergütung dafür, dass ihre Anlagen bereitstehen. Die EU-Kommission hat die Förderung im September genehmigt und schätzt die Gesamtkosten auf 15,6 bis 35,2 Milliarden Euro für die Jahre 2031 bis 2045. Ab 2031 soll das Ganze über eine Umlage finanziert werden – und die zahlen am Ende wir als Stromkunden. Wie hoch die Umlage genau ausfällt, soll ein weiteres Gesetz regeln, das 2027 kommen soll.
Kritiker befürchten, dass vor allem große Energiekonzerne und Betreiber von Gaskraftwerken von der Förderung profitieren. Auch wenn die Ausschreibungen grundsätzlich für alle Technologien offen sind, macht die Zehn-Stunden-Vorgabe es Batteriespeichern schwerer, mitzuhalten. Außerdem bleibt Deutschland erstmal auf fossiles Erdgas angewiesen – neue Gaskraftwerke müssen aber später auf Wasserstoff umgestellt werden können und ab 2046 klimaneutral laufen. Nach Angaben von n-tv.de ist zudem umstritten, ob nicht ein schnellerer Ausbau von Speichern und Netzen sowie ein flexiblerer Stromverbrauch den Bedarf an solchen teuren Reservekapazitäten verringern könnte. Die Bundesregierung hält zusätzliche steuerbare Kraftwerke trotzdem für unverzichtbar, um auch bei längeren Flauten die Stromversorgung zu sichern.
Bleibt spannend, was am Dienstag für Zuschläge bekannt gegeben werden – und ob NRW davon profitiert. Wir halten euch auf dem Laufenden!
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