Bunte Blätter, kranke Bäume: Ein Förster erklärt, warum Eichen und Fichten im Arnsberger Wald absterben und was das für Wanderer bedeutet.
Der Herbst färbt gerade wieder ganz NRW bunt – perfekt für eine Runde Wandern. Aber wer genauer hinschaut, erkennt: Nicht jedes Braun an den Bäumen ist herbstliche Romantik. Teile des Arnsberger Waldes zum Beispiel kämpfen seit Jahren mit echten Problemen, und ein Förster erklärt, was wirklich dahintersteckt.
Im Revier von Förster Carsten Arndt im Arnsberger Wald sterben ganze Eichenbestände ab. Wie top agrar berichtet, ist die Hauptursache nicht die Dürre allein, sondern vor allem der Eichenprachtkäfer, der Wärme liebt und in lichten Reinbeständen ideale Bedingungen findet. Besonders betroffen sind laut dem Förster Eichen, die allein stehen, während Mischbestände mit Buchen oder anderen Baumarten für mehr Schatten und kühlere Temperaturen sorgen – und so deutlich besser durchkommen.
Viele der Eichen im Revier Hirschberg sind zwischen 140 und 150 Jahre alt. Normalerweise kann die Eiche laut top agrar gut mit natürlichen Belastungen umgehen, etwa mit der bekannten Eichen-Fraßgesellschaft. Doch die Wetterextreme der vergangenen Jahre – mal sehr nass, mal sehr trocken, mal sehr warm – haben die Bäume so geschwächt, dass sich der eigentlich als Sekundärschädling geltende Käfer massenhaft ausbreiten konnte. Roteichen sind von dem Problem übrigens nicht betroffen.
Neben den Eichen macht auch der Fichtenbestand im Arnsberger Wald Sorgen. Wie top agrar schreibt, musste sich der Förster bereits um 600 Hektar Fichtenschadflächen kümmern, Folge von Dürre und Borkenkäferbefall. Auch die Westfalenpost griff das Thema bei einer Exkursion durch den Arnsberger Wald auf: Große Bereiche des Fichtenwaldes sind demnach infolge des Borkenkäferbefalls abgestorben. Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund der Nationalpark-Pläne für die Region statt und gab laut Westfalenpost Einblicke in die aktuelle Situation des Waldes.
Statt großflächig durchzuforsten, setzt Förster Arndt laut top agrar auf einen gezielten Sanitärhieb: Nur akut absterbende Bäume werden entnommen, denn mehr Licht im Bestand würde dem wärmeliebenden Käfer nur in die Karten spielen. Da der Prachtkäfer nur eine Generation pro Jahr bildet, reicht es aus, befallene Bäume bis März aus dem Wald zu holen. Bei Bäumen mit ersten Schadsymptomen wird oft abgewartet und beobachtet, ob sie sich selbst gegen den Befall wehren können.
Für die Zukunft setzt der Förster vor allem auf Mischwald. Als Begleitbaumarten, die Schatten spenden und die Eiche so schützen, nennt top agrar unter anderem Lärche, Eberesche, Birke und Linde. Auf den durch Borkenkäfer entstandenen Kahlflächen wird nach Möglichkeit auf Naturverjüngung gesetzt, ergänzt durch gezielte Nachpflanzung mit reduzierten Pflanzenzahlen von 1.500 bis 1.700 Stück pro Hektar.
Für alle, die jetzt durch NRWs Wälder spazieren: Die bunten Blätter sind erstmal ganz normaler Herbst. Dass manche Bäume aber kahl, trocken oder brüchig wirken, hat oft handfeste Gründe wie Käferbefall oder Dürrefolgen. Wer durch betroffene Waldgebiete wandert, sollte auf ausgewiesenen Wegen bleiben und vorsichtshalber nicht direkt unter geschädigten, möglicherweise instabilen Bäumen rasten. Die Forstleute vor Ort arbeiten jedenfalls längst daran, die Wälder fit für die Zukunft zu machen – mit Mischbeständen statt Monokulturen.
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