Nikotin-Zahnstocher: TikTok-Trend bringt Münchner Schulen zu Verboten. Das sind die wichtigsten Hintergründe.
Nikotin-Zahnstocher sind kaum von normalen Zahnstochern zu unterscheiden – doch ihr Nutzungstrend unter Jugendlichen beschäftigt derzeit viele Schulen. Eine Münchner Realschule hat ein generelles Verbot erlassen. Die Entwicklung wirft bundesweit Fragen rund um Suchtgefahr und Prävention auf.
Ein neuer Trend verbreitet sich an Schulen: Jugendliche kauen auf Zahnstochern, die – oft von außen nicht sichtbar – Nikotin enthalten können. Ursprünglich nur aromatisiert, tauchen seit einiger Zeit immer mehr Nikotinvarianten auf. TikTok-Videos und TV-Auftritte haben den Trend verstärkt. Besonders an Münchner Schulen wird das Thema inzwischen mit Verboten und erhöhter Aufmerksamkeit begleitet. BLLV
Nach Angaben von BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann ist von außen nicht zu erkennen, ob Zahnstocher Nikotin oder nur Aroma enthalten. Das gefährdet besonders junge Menschen, da Nikotin in dieser Form als Einstiegs-Suchtmittel wirken kann. Die Dosis pro Zahnstocher entspricht etwa einer halben Zigarette – in manchen Fällen, so Fleischmann gegenüber DIE WELT, sogar einem Vielfachen dessen. Laut Verband empfiehlt sich aktuell für Schulen ein generelles Verbot von Zahnstochern.
Auslöser war u.a. ein Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ sowie Social-Media-Posts internationaler Schauspieler, die aromatisierte Zahnstocher propagierten. Das Produkt sollte ursprünglich Raucher beim Entzug unterstützen; mittlerweile greifen aber immer mehr minderjährige Konsumenten zu. Über Tiktok & Co. wird aus dem ursprünglich harmlos gedachten Produkt ein riskantes Einstiegs-Suchtmittel, wie die Augsburger Allgemeine berichtet.
Um einen wirksamen Schutzraum sicherzustellen, haben einige Schulen – wie die Carl-von-Linde-Realschule in München – nun ein pauschales Zahnstocher-Verbot erlassen. BLLV-Präsidentin Fleischmann befürwortet diesen Schritt ausdrücklich: Gesundheitsschutz habe oberste Priorität. Eine gesetzliche Regelung sei derzeit nicht geplant; vielmehr setzt man auf Präventionsarbeit und Zusammenarbeit mit den Eltern. BLLV
Obwohl der Ursprung des Trends in München liegt, mahnt der BLLV zur Vorsicht: Das Problem sei nicht auf bestimmte Regionen oder Schulformen begrenzt. Auch in NRW sollten Lehrkräfte und Eltern aufmerksam bleiben, Präventionsangebote stärken und gegebenenfalls über eigene Regelungen für den Schulalltag diskutieren.
Der Umgang mit Nikotin-Zahnstochern bleibt für Schulen eine Herausforderung. Neben Aufklärung und Prävention können auch konsequente Verbote zum Schutz der Jugendlichen beitragen. Der BLLV setzt auf die gemeinsame Verantwortung von Schule und Elternhaus, um Kinder und Jugendliche vor neuen Suchtmitteln zu schützen.
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