Schulstart in Köln war ein echter Kraftakt: G9-Rückkehr, OGS-Ausbau und Sparzwang – so meistert die Stadt die drei großen Herausforderungen des neuen…
Schulstart in Köln? Das war in diesem Jahr kein normales „Erste-Klasse-Schultüten-Feeling“ – sondern ein echter Kraftakt für die ganze Stadt. Rund 9.000 Kinder wurden an 145 Grundschulen sowie 13 Privat- und Ersatzschulen eingeschult. Gleichzeitig musste Köln wegen der Rückkehr zu G9 Platz für rund 3.150 zusätzliche Schülerinnen und Schüler an Gymnasien schaffen. Und on top: Für jede Erstklässlerin und jeden Erstklässler sollte auch ein Platz im Offenen Ganztag (OGS) bereitstehen. Drei riesige Baustellen auf einmal – kein Wunder, dass Schuldezernent Robert Voigtsberger von einem „ganz besonderen Schuljahr“ spricht.1
Der Offene Ganztag war wohl die größte Herkulesaufgabe. Seit das Ganztagsförderungsgesetz 2021 vom Bund beschlossen wurde, läuft die Uhr: Ab 2026 gilt stufenweise ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder – startend mit der ersten Klasse, bis 2029/30 sollen alle dran sein.1
Und Köln hat geliefert. „Jedes Kind in dieser Stadt wird einen OGS-Platz erhalten“, sagt Voigtsberger. Innerhalb von zwölf Monaten hat die Stadt ihr Angebot von 34.500 auf 36.000 Plätze ausgebaut – das entspricht einer Quote von 91 Prozent. Zum Vergleich: Landesweit liegt die Quote gerade mal bei 68 Prozent.1
Aber: Es hakt trotzdem. Fehlende Räume, vor allem für Küchen und Mensen, machen der Stadt zu schaffen. In manchen Schulen wird deshalb gar nicht vor Ort gekocht – stattdessen kommt das Essen per Lieferung oder die Kinder weichen in Räume von Vereinen oder Pfarreien aus. Außerdem kritisiert Voigtsberger das Land NRW scharf: Die Stadt Köln schießt zu den gesetzlich vorgeschriebenen 20 Millionen Euro noch mal 40 Millionen Euro obendrauf. Zusammen mit 14 weiteren Kommunen hat Köln deshalb Klage gegen das Land NRW eingereicht – das Verfahren läuft gerade vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf.1
Seit 2019/2020 steht fest: NRW kehrt zum neunjährigen Gymnasium zurück. Das bedeutet konkret, dass in diesem Schuljahr 3.150 Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien verbleiben, die sonst einen Abschluss gemacht hätten – während gleichzeitig ein kompletter neuer Fünfer-Jahrgang nachrückt. Das Schuldezernat arbeitet seit sechs Jahren daran, die Gymnasien auf genau diesen Moment vorzubereiten.1
An den 37 Kölner Gymnasien wurde genau geschaut, wo Container, zusätzliche Räume oder angemietete externe Räumlichkeiten her müssen. Ergebnis: 13 Schulen brauchten Ausbau, an acht ist er mittlerweile abgeschlossen. An fünf wird noch gebaut – unter anderem am Genoveva-Gymnasium und am Rheingymnasium, wo in den nächsten zwei Jahren noch Modulbauten folgen. Bis dahin sind Büroräume in der Nähe angemietet.1
Auch ein anderes Thema bewegt Köln: Rund 80 Prozent der Eltern wollen für ihre Kinder einen Platz an Gymnasien oder Gesamtschulen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 4.262 Anmeldungen an Gymnasien, 3.264 an Gesamtschulen – aber gerade mal 251 Anmeldungen an Hauptschulen, obwohl mehr als 600 Plätze frei wären.1
„Die Menschen stimmen mit den Füßen ab“, sagt Voigtsberger. Mittel- und langfristig müsse die Stadt deshalb über Schließungen einzelner Hauptschulstandorte sprechen – bevor es dazu kommt, dass Schulen wegen zu geringer Anmeldezahlen zwangsläufig dichtmachen müssen. Gleichzeitig stellt er klar: Hauptschulen wird es in Köln weiterhin geben, denn auch Schülerinnen und Schüler aus anderen Schulformen wechseln nach der fünften Klasse dorthin.1
Und dann ist da noch der Sparzwang. Köln hat einen Investitionsstau an seinen Schulen im hohen dreistelligen Millionenbereich. Eigentlich wollte die Stadt bis 2029 zwei Milliarden Euro in den Schulbau stecken – doch die klammen Kassen bremsen das aus. „Es wird die eine oder andere Schulbaumaßnahme geben, die wir nicht mehr durchführen“, so Voigtsberger.1
Immerhin eine gute Nachricht: Alles, was bereits begonnen wurde, wird auch fertiggestellt. Und vielleicht kommt der Stadt sogar entgegen, dass die Schülerzahlen mittelfristig wieder sinken könnten – denn dann wird auch mancher geplanter Schulbau schlicht nicht mehr gebraucht.1
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