Kölns Polizeipräsident zeigt sich schockiert nach Ausschreitungen bei der Gen-Z-Demo: Wasserwerfer, Festnahmen und Verletzte prägten den Abend in der Domstadt.
Nachdem wir in einem früheren Beitrag über die eskalierende Gen-Z-Demo in Köln berichtet hatten, gibt’s jetzt die offizielle Bilanz. Und die hat’s in sich. Kölns Polizeipräsident Johannes Hermanns hat sich nach den Ausschreitungen rund um die Jugend-Demo der Initiative „Gen Z regelt“ schockiert gezeigt. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er: „Es ist traurig und trifft mich sehr, dass junge Menschen, die friedlich für ihre Zukunft demonstrieren wollten, heute von Extremisten unterwandert wurden, die nichts anderes als Gewalt im Sinn hatten.“ Klare Worte von ganz oben also.
Die Zahlen zeigen, wie groß der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit war: Ein Vertreter von „Gen Z regelt“ sprach von 15.000 Teilnehmenden in Köln, die Polizei ging dagegen nur von mehreren Tausend aus. Am Rheinufer setzte die Polizei Wasserwerfer ein, nachdem Demonstrierende nach Polizeiangaben Pyrotechnik und Steine auf Beamte geworfen hatten. Ein Polizist wurde an der Hand verletzt und musste seinen Dienst beenden. Ein Teilnehmer wurde festgenommen, die Polizei ermittelt wegen schweren Landfriedensbruchs.
Wie come-on.de berichtet, hielt die Polizei am Abend rund 700 Demonstrierende an einem Uferabschnitt fest und nahm nach und nach die Personalien auf. Im Stadtgebiet gab es zudem dunkel gekleidete Gruppen von 30 bis 40 Personen, die gegen Wände traten und Feuerwerkskörper zündeten. Ein Müllcontainer brannte. Auf der Hohen Straße nahm die Polizei rund 50 Menschen fest, später spitzte sich die Lage auf der Domplatte erneut zu: Rund 200 teils randalierende Personen griffen Polizisten an, warfen Flaschen und sogar Fahrräder durch die Luft. Ein Mensch wurde dabei verletzt, fünf Personen kamen in Gewahrsam. Ein geworfener E-Scooter zerstörte in einer Nebenstraße eine Fensterscheibe.
Die Unruhen in Köln waren Teil einer bundesweiten Protestwelle. Laut tagesschau.de zogen Zehntausende junge Menschen in mehr als 30 Städten auf die Straße und demonstrierten größtenteils friedlich für bessere Bildung, mehr Klimaschutz und bezahlbaren Wohnraum. Doch nach dem offiziellen Ende vieler Veranstaltungen kippte die Stimmung vielerorts. In Frankfurt am Main löste die Polizei eine Demo mit mehreren tausend Teilnehmenden nach wiederholten Böller- und Steinwürfen auf, mehrere Polizisten wurden dabei verletzt. Auch in Hamburg, Hannover, Nürnberg, Bremen und Berlin kam es zu Ausschreitungen, Festnahmen und verletzten Beamten. Andreas Roßkopf von der Gewerkschaft der Polizei zog laut tagesschau.de eine gemischte Bilanz: Die Gewalt sei vor allem von „autonomen und zum Teil vermummten Personen“ ausgegangen, die Polizei habe aber insgesamt die Lage im Griff gehabt. Auch in Köln ordnete ein WDR-Reporter die Gewalt ähnlich ein: Es dürfte sich wahrscheinlich um eher linksradikale Gruppen gehandelt haben, die die Demonstration für sich übernommen hätten.
Während Köln im Fokus der Berichterstattung stand, verliefen die Proteste in anderen Städten Nordrhein-Westfalens deutlich ruhiger. Laut come-on.de zogen in Essen rund 3.500 Menschen mit, die große Mehrheit verhielt sich friedlich, lediglich fünfmal wurde Pyrotechnik gezündet. In Düsseldorf kamen mehr als 2.500 Teilnehmende zusammen, in Aachen rund 1.500. Die Initiative „Gen Z regelt“ selbst zog laut tagesschau.de insgesamt ein positives Fazit der bundesweiten Proteste und grenzte sich von der Gewalt ab, die nach dem Ende der Kundgebungen aufkam.
Die Bilder aus Köln und anderen Städten zeigen: Die Mehrheit der jungen Demonstrierenden wollte friedlich für ihre Anliegen auf die Straße gehen. Doch am Rand der Proteste nutzten gewaltbereite Gruppen die Situation aus. Die Polizei ermittelt nun in mehreren Fällen wegen Landfriedensbruchs, die Aufarbeitung der Vorfälle dürfte die Debatte um künftige Proteste der Bewegung weiter befeuern.
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