Gabriele Conrath-Scholl leitete fast 20 Jahre die Photographische Sammlung in Köln – ein Weltklasse-Museum, das viel zu wenige kennen. Jetzt geht sie in Rente.
Kennt ihr die Photographische Sammlung im Kölner Mediapark? Falls nicht, seid ihr damit leider in bester Gesellschaft – denn dieses Museum ist so etwas wie der ultimative Hidden Champion der Kölner Kulturszene. Weltklasse-Ausstellungen, internationale Anerkennung, und trotzdem viel zu wenig Kölner, die den Weg dorthin finden. Fast 20 Jahre lang hat Gabriele Conrath-Scholl dieses besondere Haus geleitet – und nun geht sie in den Ruhestand.1
Die Photographische Sammlung ist die erste Adresse, wenn es um August Sander und sachliche Fotografie geht. Klingt erstmal trocken? Von wegen! Hier hängen Arbeiten von Legenden wie Bernd und Hilla Becher oder Walker Evans – Namen, die in der Kunstwelt für sich sprechen und die Fotografiegeschichte nachhaltig geprägt haben.1
Conrath-Scholl hat das Haus mit hochgelobten Ausstellungen zu diesen Klassikern der Kunstgeschichte auf die internationale Landkarte gesetzt. Und trotzdem blieb das Kölner Publikum manchmal aus. Böige Winde im unwirtlichen Mediapark? Vielleicht. Oder das hartnäckige Vorurteil, das Conrath-Scholl selbst immer wieder zu hören bekam – sogar von Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten: „Ihr zeigt doch immer nur das Gleiche.“1
Zum Abschluss ihrer Direktion hat Conrath-Scholl noch einmal alles gegeben. Ab dem 11. September feiert die Photographische Sammlung ihren Hausheiligen August Sander mit einer großen Ausstellung zu seinem 150. Geburtstag. Und ja – wer jetzt denkt, das klingt nach „mehr vom Gleichen“, verpasst gerade etwas Besonderes.1
Mit Sander fing schließlich alles an. Das riesige Archiv des Kölner Fotografen, der mit seinem Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ weltberühmt wurde, ist das Herzstück dieser Sammlung – und damit auch das Fundament von Conrath-Scholls fast zwei Jahrzehnten an der Spitze des Hauses.1
Die Geschichte der Photographischen Sammlung unter Gabriele Conrath-Scholl ist eigentlich die Geschichte eines Missverhältnisses: internationaler Ruf auf der einen Seite, lokale Bekanntheit auf der anderen. Wer Köln kennt und liebt, sollte dieses Museum kennen – Punkt.
Also: Nutzt die Gelegenheit! Die Sander-Jubiläumsausstellung ab dem 11. September ist der perfekte Einstieg, um diesen Kölner Geheimtipp endlich zu entdecken. Und vielleicht ist es genau der richtige Moment, um Gabriele Conrath-Scholl mit einem vollen Haus zu verabschieden – sie hätte es mehr als verdient.1
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