Kölns Haushaltskrise spitzt sich zu: Kämmerin Diemert rechnet mit einem Defizit von über 594 Millionen Euro – Vereine und Kultureinrichtungen bangen um ihre…
Die Stimmung in Köln ist angespannt – und das nicht nur bei Politikerinnen und Politikern im Rathaus. Vereine, freie Träger und Kultureinrichtungen zittern gerade ganz besonders: Am Mittwoch, dem 2. September, hat Stadtkämmerin Dörte Diemert den neuen Haushaltsentwurf der Verwaltung in den Rat eingebracht. Und der hat es in sich – ein sattes Defizit für die Jahre 2027 und 2028 zeichnet sich ab.1
Schon zu Beginn der Haushaltsaufstellung im März hatte Kämmerin Diemert klargemacht: „Das wird ohne Einschnitte in Strukturen und das Leistungsangebot der Stadt nicht umsetzbar sein.“ Kein ausgeglichener Haushalt in Sicht – das ist die bittere Wahrheit für Köln.1
Der aktuelle Kölner Haushalt für 2026 umfasst bereits 6,69 Milliarden Euro. Das Defizit lag laut Kämmerei zuletzt bei mehr als 594,8 Millionen Euro – Tendenz steigend. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es schon über 580 Millionen Euro.1
Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) macht keinen Hehl daraus, was das bedeuten kann: „Wir diskutieren, ob wir Schwimmbäder schließen, ob wir Bibliotheken schließen müssen, ob wir noch die eine oder andere Schule bauen können.“ Harter Tobak – und ein deutliches Signal an alle, die auf städtische Förderung angewiesen sind.1
Neben strukturellen Problemen sind es auch ausufernde Großprojekte, die den Kölner Haushalt belasten. Die Sanierung der Bühnen am Offenbachplatz schlägt mit rund 1,5 Milliarden Euro (inklusive Finanzierung) zu Buche, die Sanierung der Mülheimer Brücke mit einer halben Milliarde Euro Baukosten.1
Und das ist nicht das einzige Kulturprojekt, das Köln teuer zu stehen kommt: In einem früheren Beitrag haben wir bereits berichtet, dass die Wiedereröffnung des Römisch-Germanischen Museums Köln nach aufwendiger Sanierung frühestens im dritten Quartal 2030 erwartet wird – bei Gesamtkosten von geschätzten 177 Millionen Euro.2
Besonders nervös sind gerade die freien Träger, Vereine und sozialen Initiativen der Stadt. Denn neben den Pflichtaufgaben wie Schulplätzen und Infrastruktur finanziert Köln auch soziale Projekte und kulturelle Angebote – und genau hier drohen Kürzungen. Die Sorge, dass Zuschüsse zusammengestrichen werden, ist laut dem Kölner Stadt-Anzeiger „enorm groß“. Manche fürchten sogar um ihre Existenz.1
Passend zur Ratssitzung am Mittwoch waren auch Protestaktionen angekündigt: Ein Aktionsbündnis wollte vor dem Ratssaal für den Erhalt von Institutionen demonstrieren, die von Gewalt betroffene Frauen unterstützen. Und der Fahrrad-Entscheid Köln rief zu einer Demo mit anschließendem Fahrrad-Rave durch die Stadt auf – aus Angst vor Kürzungen beim Radwege-Ausbau.1
Damit der Sparkurs wirklich umgesetzt werden kann, braucht die Kämmerin die Zustimmung des Rates. Der soll voraussichtlich am 12. November über den Haushalt abstimmen. Das Ziel laut dem städtischen Lenkungskreis Haushaltskonsolidierung: 280 Millionen Euro einsparen und so die Steuerungshoheit über die eigenen Finanzen zu behalten.1
Köln ist dabei übrigens nicht allein. Alle deutschen Kommunen zusammen verzeichnen laut Prognose des Städtetags ein Rekorddefizit von 30 Milliarden Euro in diesem Jahr. Für Burmester ist klar: „Eine Summe, die die Kommunen nicht zu verantworten haben.“1
Bleibt abzuwarten, was der Rat aus dem Haushaltsentwurf macht – und welche Einrichtungen am Ende tatsächlich bluten müssen. Wir halten euch auf dem Laufenden!
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